Wembley war Werbung für den BVB & die neue Champions League

Carsten Germann am Millerntor

Author: Carsten Germann
Published: 03.06.2024

Veröffentlicht in Fussball News & Infos,

Unser Match der Woche war natürlich das Champions-League-Finale vom 1. Juni 2024 mit dem BVB gegen Real Madrid (0:2) in Wembley – es wurde ein „Never forget Match“. Wo haben Sie geschaut? Haben Sie eventuell eine Fußballreise Champions League Finale gebucht? Das wird sich auch 2024/2025 lohnen. 

Er bekam Trost von einem, der zu Beginn des Spiels vom gesamten Wembley-Stadion ausgepfiffen wurde: José Mourinho, Champions-League-Siegertrainer von 2004 und 2010 (mit FC Porto und Inter Mailand) nahm den geknickten Edin Terzic in den Arm und gab ihm ein paar Worte mit auf den weiteren Weg. 

BVB Fans Wembley

Traurig und trotzdem stolz: Borussia Dortmund nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2024 gegen Real Madrid auf der Ehrenrunde in Wembley. Foto: Imago

„Werde diesen Moment nie vergessen“

Was „The Special One“ speziell zu ihm sagte, wollte er bei der anschließenden Pressekonferenz nicht preisgeben. „Ich werde diesen Moment nie vergessen“, so Terzic, „es zeigt, was für ein großartiger Trainer und Mensch er ist.“

Das erfuhr man von Mourinho selbst: „Ich habe ihm gesagt, dass die Zeit ihm nicht helfen wird, diesen Schmerz zu verarbeiten. Aber er sollte stolz darauf sein, was er und sein Team geleistet haben.“

„Ein großartiger Trainer und Mensch“ – Das kann ich nur bestätigen. Ich bin dem als exzentrisch geltenden Portugiesen im Juni 2013 beim Abschied des „Capitano“, Michael Ballack, in Leipzig im Spielertunnel begegnet. Der Small-Talk mit ihm war auch für mich unvergesslich.

Doch zurück zum BVB und Edin Terzic. Er hat sich auch im Moment einer bitteren Niederlage generös gezeigt. Der unterlegene Trainer von Borussia Dortmund sagte nach dem 0:2 (0:0) gegen Real Madrid: „Wir haben 100.000 Menschen nach London geführt und haben von der ersten Sekunde an der ganzen Welt gezeigt, dass wir daran glauben. Dass wir nicht hier sind, um ein Finale zu spielen Sondern, dass wir hier sind, um ein Spiel zu gewinnen.“

Ja. Borussia Dortmund hat Werbung in eigener Sache gemacht, hat es nach längerer Zeit mal wieder geschafft, ganz Fußball-Deutschland in einem Europapokalspiel emotional mitzunehmen. Das war zuletzt eher den Frankfurtern bei ihrem wilden Ritt zum Europa-League-Sieg 2022 gelungen. 

BVB: Fast die größte Außenseiter-Story seit 2004

Die Dortmunder waren in Wembley nahe dran, die größte Außenseiter-Geschichte in diesem Wettbewerb seit Mourinho und Porto zu Ende zu schreiben. Warum es nicht gereicht hat – Ersparen wir uns die tiefere Analyse! 

Nur so viel: Real Madrid – und das habe ich 2003 ebenfalls selbst beim 1:1 in Dortmund erleben müssen – kann immer dank der individuellen Klasse ein Spiel drehen oder irgendwie zurückkommen. Siehe zuletzt im Halbfinale gegen den FC Bayern (2:1), als die Münchner schon auf dem Weg nach Wembley schienen…

0:2 gegen Real, die internationalen Medien fühlten mit den Schwarzgelben. „Borussia Dortmund war drei Viertel des Spiels das bessere Team, aber die Legende fiel am Ende über sie her“, schrieb selbst die spanische Zeitung AS über den am Ende etwas glücklichen Erfolg der „Blancos“. 

„Am Ende gewinnt immer Real Madrid“ 

„Es ist der Wettbewerb, von dem Real gern denkt, dass es ihn besitzt und die Gründe wurden in Wembley gezeigt“, kommentierte der britische Guardian nicht ohne Sarkasmus. „Und am Ende gewinnt immer Real Madrid“, wandelte die französische Zeitung Le Parisien den Kult-Spruch von Gary Lineker („Fußball ist ein einfaches Spiel, 22 Männer rennen hinter einem Ball her und am Ende gewinnen immer die Deutschen“) gekonnt ab. 

Am Ende gewinnt immer Real Madrid. Auch das dritte Finale im Landesmeister-Wettbewerb respektive in der Champions League seit 1960 gegen eine deutsche Mannschaft ging an die Madrilenen, die damals Eintracht Frankfurt (7:3) und 2002 Bayer Leverkusen (2:1) jeweils in Glasgow bezwingen konnten. 

„Diese Mannschaft hat unglaubliches Potenzial“, sagte BVB-Abwehrspieler Nico Schlotterbeck in BILD (Montag-Ausgabe), „wir werden irgendwann einen Titel holen für die Fans.“

Und das ist kein leeres Versprechen. Auch die Befürchtung, dass es jetzt wieder 11 Jahre dauert, bis der BVB wieder im Finale der Champions League steht, würde ich gar nicht mal so sehen.

Borussia Dortmund kann weiter um Titel mitspielen. Diese Mannschaft ist gereift, sie hat international großartige Spiele gezeigt, unter anderem im Viertelfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid (4:2), in den Halbfinals gegen PSG und in der Vorrunde beim AC Milan (3:1). Es gilt: Europacup-Nächte im Westfalenstadion, Fußballreisen BVB sollte man als Fußballfan erlebt haben.

Eine Vorrunde wird es 2024/2025 in der Champions League nicht mehr geben – das 1:1 gegen Paris mit der „Kunst der Grätsche“ (Kicker-Spezial Die K.o.-Runde, Februar 2024) von Niklas Süle gegen Kylian Mbappé war aus Dortmunder Sicht der krönende Schlusspunkt.

Wie läuft die neue Champions League?

Ab Sommer 2024 werden 36 statt bisher 32 Mannschaften um den „Henkelpott“ spielen – auch der BVB ist dank dieser Novellierung als Tabellenfünfter wieder mit dabei, für Eintracht Frankfurt, das im Erfolgsfall der Dortmunder als Sechster ebenfalls aufgerückt wäre, bleibt der Lieblings-Wettbewerb Europa League. 

Gruppen sind passé, sondern es gibt nun eine Liga, in der die Teams gegen 8 verschiedene Gegner – ohne Rückspiel – antreten. 

Auch den „Trostpreis“, als Gruppendritter in der Europa League weiter werkeln zu dürfen, - der BVB durfte dies 2017/2018 mit gerade mal 2 Punkten – ist abgeschafft. 

Vor dem Achtelfinale, für das sich die besten acht Teams direkt qualifizieren, stehen die K.o.-Runden-Playoffs an – mit den Mannschaften, die Platz 9 bis 24 belegen. Die Teams ab Platz 25 sind raus. 

Für mich mit das Beste: Nach dem Grunddurchgang geht es in einem festen Turnierbaum weiter. Damit entfallen endlich die gestelzten Auslosungen in Nyon mit schmallippigen Interviews der Final-Botschafter und die nicht minder überkandidelten Schlagzeilen wie „Hammer-Lose für Bayern und BVB“, Sie kennen das… 

Auch wird es künftig keine Duelle zwischen zwei Mannschaften aus dem gleichen Land geben. In diesen Spielen gab es gerade für die Dortmunder Jubel und Jammer – 1998 schlugen sie den FC Bayern im Viertelfinale (1:0 n. V.) und 2013 unterlagen sie den Münchnern im Finale von Wembley (1:2). 

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Carsten Germann am Millerntor

Der Autor: Carsten Germann berichtet seit 2002 aus erster Hand über den englischen Fußball, u. a. für DIE WELT, BILD am SONNTAG und seit April 2021 auch als leitender Redakteur beim Portal Fussballdaten.de. Zudem gab er mit den Büchern Football’s home (2007) und Absolute Dynamite! (2010) zwei Sammelbände mit seinen Fußball-Reiseerlebnissen aus Großbritannien heraus. Für DIE FUSSBALLREISE schreibt er regelmäßig über den Insel-Kick.

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