Multi Club Ownership vs. UEFA: Welche Clubs sind betroffen?

Carsten Germann am Millerntor

Author: Carsten Germann
Published: 17.07.2025

Veröffentlicht in Fussball News & Infos,

Der Fall Crystal Palace und die Zurückstufung des englischen Pokalsiegers in die Europa Conference League, der nach dem ersten Titel seiner Vereinsgeschichte für die Europa League startberechtigt gewesen wäre, schlägt in Fußball-Europa hohe Wellen. Die Londoner sind ein prominentes „Opfer“ des so genannten Multi Club Ownership. Doch was steckt hinter diesem Begriff und warum ist das böse Wort „Wettbewerbsverzerrung“ im Spiel?

Fans von Crystal Palace gingen am 15. Juli 2025 im Londoner Süden auf die Barrikaden. Sie protestierten nach einem Marsch zum Stadion Selhurst Park gegen den europäischen Fußball-Verband (UEFA).

Dieser hatte ihr Team aufgrund des so genannten Multi Club Ownership Rule – US-Investor John Textor hielt Anteile von Palace und auch vom ebenfalls für die Europa League qualifizierten französischen Club Olympique Lyon – in die Europa Conference League versetzt.

„UEFA: Moralischer Bankrott“ – das war noch eines der harmlosen Banner, das die Fassade des Selhurst Park zierte. 

Die Rückstufung von Crystal Palace bezeichnete Vize-Präsident Steve Parish als „schlechten Tag für den Fußball“ und als „schreckliche Ungerechtigkeit.“ 

Parish sagte der BBC weiter: „Wir sind wegen einer höchst lächerlichen Formsache aus einem europäischen Wettbewerb ausgesperrt worden.“

Crystal Palace hatte die Deadline zum 1. März 2025 über den Beweis eines möglichen Multi Club Ownership verstreichen lassen. Damals standen „The Eagles“ aber noch nicht als FA Cup-Sieger respektive als Europa-League-Teilnehmer fest.

„Am Ende des Tages ist es eine Ungerechtigkeit, die aus formalen Fehlern resultiert“, sagte der Crystal-Palace-Fan und Podcaster Nick Philpot, „wir haben den Pokal gewonnen und sie bestrafen den gesamten Club und seine Fansbasis.“

Crystal Palace Fan Proteste

15. Juli 2025: Fans von Crystal Palace protestieren vor dem Selhurst Park Stadium gegen die Zurückstufung ihres Clubs in die Europa Conference League aufgrund der ,,Multi Club Ownership"-Regelungen der UEFA. Foto: Imago Images / Crystal Pix

Was ist Multi Club Ownership im Fußball?

Stolper-Falle Multi Club Ownership – Das bedeutet, dass Investoren gleichzeitig große Anteile an mehreren Fußballclubs halten können, die weder aus der gleichen Liga noch im gleichen Land kommen müssen. Das kann unter Umständen zu Wettbewerbsverzerrung führen, so die Auffassung der UEFA.

Multi Club Ownership Regeln: Warum traf es gerade Crystal Palace?

Die aktuellen Statuten der UEFA besagen, dass zwei Clubs, die vom selben Investor beziehungsweise dem gleichen Besitzer kontrolliert werden, nicht in derselben Saison an den drei europäischen Wettbewerben (Champions League, Europa League, Conference League) teilnehmen dürfen. 

Stehen beide Clubs im gleichen Wettbewerb, entscheidet der Tabellenplatz in der heimischen Liga – und hier war „OL“ als Fünfter der französischen Ligue 1 dem englischen Premier-League-Club Crystal Palace (12.) voraus. 

Auch die Tatsache, dass John Textor (siehe oben) seine Anteile an „Palace“ verkaufte, kam aus Sicht der UEFA zu spät. 

Das Multi Club Ownership gilt auch für Transfers. Die UEFA untersagt Vereinen, die einem Multi-Klub-Eigentumstest unterliegen, während der Saison, in der sie am selben Wettbewerb teilnehmen, oder während des ersten Transferfensters, neue Spieler untereinander zu transferieren. 

So weit, so rigoros. Die UEFA-Finanzkontrollkammer für Clubs (FKKK) hat zuletzt jedoch einige bemerkenswerte Entscheidungen im Hinblick auf sechs Vereine getroffen. Und diese fielen alle konträr zum „Fall Crystal Palace“ aus.

Welche Fußballvereine gehören zusammen?

Beispiel Manchester United und OGC Nizza. Beide Vereine werden vom Chemiekonzern INEOS finanziert, durften aber 2024/2025 gemeinsam in der Europa League antreten. Nizza wurde im neuen Liga-System 35., Manchester United kam als Dritter direkt weiter und erreichte das Finale von Bilbao (0:1 gegen Tottenham).

Beispiel Aston Villa und Vitória Guimaraes. Der Europacupsieger der Landesmeister von 1982 aus England und der portugiesische Traditionsclub gehören zu der zum Imperium des US-amerikanischen Milliardärs Wes Edens und des ägyptischen Geschäftsmannes Nassef Sawiris gehörigen Gesellschaft V-Sports

„The Villans“ und Vitoria hatten sich 2023 beide für die Europa Conference League qualifiziert – und durften beide in diesem Wettbewerb starten, da die Besitzer-Holding ihre Anteile reduzierte und sich aus dem Club-Vorstand zurückzog. 

Beispiel: AC Milan und FC Toulouse. Der mehrfache Champions-League-Sieger aus Mailand und der Ligue-1-Club gehören der RedBird Group aus den USA. Auch in diesem Fall durften beide Clubs in jüngerer Vergangenheit im Europapokal starten, weil der AC Mailand als Vierter der Serie-A-Saison 2022/2023 für die Champions League und „TFC“ sich als französischer Pokalsieger für die Europa League qualifiziert hatte. 

Beispiel Manchester City und FC Girona. Die Spanier stürmten 2024 sensationell in die neu eingeführte Liga-Phase der Champions League, wo auch der von der City Football Group geführte englische Meister Manchester City spielte. 

Besonders pikant: Die mit 44,3 Prozent am FC Girona beteiligte FC Girona Group gehört Pere Guardiola, dem jüngeren Bruder von Citys Erfolgstrainer Pep Guardiola

Allein dieser Fakt hätte eine Aussperrung für einen der beiden Clubs für die Champions League nach sich ziehen müssen, doch die UEFA sah es „als erwiesen an, dass die Vereine Änderungen an ihrem Management vorgenommen haben.“ Diese, so der europäische Fußball-Verband weiter, würden ausschließen, „dass in mehr als einem Club die entscheidende Kontrolle von der gleichen natürlichen oder juristischen Person ausgeübt wird.“ Na dann…  

Multi Club Ownership Champions League: So spielt sich Red Bull die Bälle zu

Das berühmteste Modell für Multi Club Ownership kommt jedoch aus Österreich. Der Getränke-Gigant Red Bull betreibt seit 2005 die Clubs aus Salzburg, Liefering sowie Leipzig und aus New York als Fußball-Franchise. Fast zwei Dutzend Fußballprofis wechselten allein zwischen Leipzig und Salzburg hin und her.

Auch sah man beide RB-Clubs 2024/2025 in der neuen Liga-Phase der Champions League – ohne Bedenken der UEFA.

Multi Club Ownership Premier League: Der große Grieche von Nottingham 

In der englischen Premier League gibt es das Model Multi Club Ownership Liga intern nicht, aber der Eigentümer des AFC Bournemouth, US-Geschäftsmann Bill Foley, kaufte 2024 exakt 29,9 Prozent der Anteile an Hibernian Edinburgh aus der Schottischen Premiership.

Chelseas US-amerikanischer Eigentümer Todd Boehly übernahm den Club von der Stamford Bridge 2022 vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch und ist auch Anteilsnehmer bei Racing Straßburg in der französischen Ligue 1. 

Die Elsässer hätten sich bei einem Zwangsabstieg von Olympique Lyon auf Europa League Reisen freuen können.

Der FC Liverpool gehört – wie der FC Toulouse und der AC Mailand – teilweise zur RedBird-Gruppe, auch hier gab es 2024 keine UEFA-Schritte, als Milan und „The Reds“ sich in der Champions-League-Ligaphase trafen.

Last but not least: Nottingham Forest. Der griechische Schiffs-Tycoon Evangelos Marinakis ist mit 100 Prozent Anteilen der Boss bei den „Tricky Trees“ und er ist auch Co-Eigentümer von Olympiakos Piräus, das er 2024 als Conference-League-Gewinner zum ersten Europacup-Sieger aus Griechenland machte. 

Carsten Germann am Millerntor

Der Autor: Carsten Germann berichtet seit 2002 aus erster Hand über den englischen Fußball, u. a. für DIE WELT, BILD am SONNTAG und seit April 2021 auch als leitender Redakteur beim Portal Fussballdaten.de. Zudem gab er mit den Büchern Football’s home (2007) und Absolute Dynamite! (2010) zwei Sammelbände mit seinen Fußball-Reiseerlebnissen aus Großbritannien heraus. Für DIE FUSSBALLREISE schreibt er regelmäßig über den Insel-Kick.

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