2. Bundesliga in Deutschland vs Championship in England – Wer hat wirklich das stärkste Unterhaus in Europas Top-Ligen? Die-Fussballreise.de hat die beiden zweiten Ligen verglichen.
Die 2. Bundesliga wird von den übertragenden Medien oft und gern als „Die stärkste 2. Liga der Welt“ angepriesen. Das ist das gute Recht der TV-Macher.
Wir tun uns mit dieser Werbung schwer, denn in der Championship in England geht es so zur Sache wie in keiner anderen zweiten Liga in Europa.
Welche ist die beste 2. Liga der Welt?
Der Weg in die Premier League ist ein Marathon.
24 Mannschaften, 46 Spieltage plus die Premier-League-Playoff-Halbfinals in Hin- und Rückspiel-Modus und natürlich das große Finale in Wembley um das letzte Premier-League-Ticket. Da musst du erst mal durchkommen.
Die ersten beiden Clubs der Championship steigen direkt auf, vier weitere Vereine haben noch die Chance, über die Playoffs ins „Land der Reichen“ (DIE WELT, 2005) zu gelangen.
Die 2. Bundesliga nimmt es eine Nummer kleiner. Die ersten beiden Teams in der Tabelle steigen direkt in die Fußball-Bundesliga auf. Seit 2009 spielt der Drittplatzierte wieder Relegations-Hin- und Rückspiel gegen den Drittletzten der ersten Liga.
2. Liga England vs. Deutschland: Es geht nicht ohne Drama
Dass es dabei nicht ohne Drama abgeht, haben die SV Elversberg 2025 (Knockout gegen den 1. FC Heidenheim zwölf Sekunden vor Schluss der Nachspielzeit, 1:2 / Hinspiel: 2:2) oder der Karlsruher SC 2015 erleben müssen. Die Badener standen damals gegen den HSV Sekunden vor der Bundesliga-Rückkehr, ehe ein Freistoß von Marcelo Diaz für Hamburg die Verlängerung erzwang. Dieses Spiel habe ich damals als News-Redakteur begleitet und ich kann nur sagen: Wer die völlig losgelösten HSV-Verantwortlichen Dietmar Beiersdorfer und Bruno Labbadia oder die trauernden KSC-Fans hinterher gesehen hat, weiß, was Relegation wirklich für eine Nervenschlacht ist.
Genauso ging es mir in diesem Jahr mit dem Außenseiter aus Elversberg oder 2024 mit Fortuna Düsseldorf, das sich nach 3:0 im Hinspiel gegen den VfL Bochum schon am Ziel wähnte…
In England sorgt „Das Millionenspiel“, das mit einem dreistelligen Millionen-Betrag (bis zu 250 Mio. Euro) dotierte Aufstiegsfinale in Wembley, für den ultimativen Kick.
2025 sicherte sich der AFC Sunderland tief in der Nachspielzeit das Premier-League-Ticket.
Was für ein packender letzter Spieltag in der englischen Championship 2024/2025: Am 3. Mai 2025 trifft Mihailo Ivanovic zum 1:0 für den FC Millwall beim Premier-League-Aufsteiger FC Burnley. Foto: Imago Images / Nur Photo
„Drama ist garantiert, weil so viel auf dem Spiel steht“
2022 und 2024 genügte Nottingham Forest und dem FC Southampton jeweils das knappste aller möglichen Ergebnisse, um in die englische Eliteliga zurückzukehren. 2017 musste Huddersfield Town mit seinem deutschen Trainer David Wagner gegen den FC Reading ins Elfmeterschießen – 5:4 (0:0 n. V.). Viel packender geht es nicht.
„Drama ist in der Championship garantiert, weil so viel auf dem Spiel steht“, schrieb der Autor Nige Tassell (The Hard Yards: A Season in the Championship, Verlag: Simon & Schuster, 2021) der bei GQ neun Gründe nannte, warum man die Championship einfach lieben muss.
Unter anderem führt er an, dass die „Championship keine Seifenoper“ ist. Tassell: „Die Premier League ist ein Goldfischglas, in dem du als Spieler auf- und außerhalb des Platzes genauestens durchleuchtet wirst. Transfergerüchte zu fast jedem Spieler sind quasi unvermeidlich. Diesen Nonsens gibt es in der zweiten Liga nicht, in der Championship werden die Ärmel hoch gekrempelt und der Talk findet auf dem Platz statt.“
Außerdem, so glaubt er, kann man in der Championship die Premier-League-Stars von morgen sehen. Ollie Watkins, englischer Nationalspieler und ehemals FC Brentford, sei als Paradebeispiel genannt.
Auch bedeutet Fußball in der Championship laut Tassell „Samstags um 15 Uhr“, also keine exotischen Anstoßzeiten wie in der Premier League, die auch an den Montagabenden am Start ist, oder wie in der 2. Bundesliga, die samstags schon zur Mittagszeit und später zur Prime Time spielt.
Das sagt eine Menge über die Championship und ihren unverwechselbaren Charakter aus und ist ganz klar ein Pluspunkt.
Beliebte Fußballreisen Championship führen 2025/2026 zum FC Millwall ins Stadion „The Den“, zu den Queens Park Rangers an die Loftus Road und zum FC Watford an die Vicarage Road – und alle drei Stadien haben dieses typisch-englische Flair, unschlagbare Nähe in den vorderen Sitzreihen zum Spielfeld und auch mitunter derbe Fan-Gesänge, Working Class halt.
Frühere Erstligisten
Blicken wir auf die 24 Teams, die sich 2025/2026 auf den langen Weg ins englische Oberhaus machen, so finden sich 19 Vereine im Teilnehmerfeld, die bereits in der 1992 eingeführten Premier League spielten.
Die 2. Bundesliga hat durch den Aufstieg des Hamburger SV und des 1. FC Köln zwei ihrer stärksten Zugpferde verloren.
Ihre Strahlkraft und ihre bundesweite Fan-Basis wirken ab Sommer wieder in der Bundesliga.
16 der 18 Clubs in der Saison 2025/2026 sind ehemalige Erstligisten. Nur Elversberg und der 1. FC Magdeburg spielten noch nie in der ersten Liga. Das ist in Sachen Erstliga-Faktor ein klarer Vorteil für die deutsche 2. Liga.
Frühere Meister
Zehn Zweitligisten holten entweder vor Beginn der Bundesliga-Ära im Jahr 1963 (Hertha BSC, Düsseldorf, Fürth, Karlsruhe, Kiel, Hannover 96, Schalke 04) oder seitdem (Eintracht Braunschweig, der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Nürnberg) die Meisterschale.
Ehemalige Premier-League-Meister in der Championship sind nur Blackburn Rovers (1995) und Leicester City (2016) – Acht Club (Preston North End, AFC Sunderland, Sheffield United und Wednesday, West Bromwich Albion, FC Portsmouth, Derby County und Ipswich Town) gewannen den englischen Meistertitel in der Football League (bis 1892) und in der Football League First Division. Unentschieden!
Das größte Stadion der 2. Bundesliga: Im Berliner Olympiastadion bei Hertha BSC gilt, wie im Bild am 25. April 2025 gegen den 1. FC Magdeburg (1:1): ,,Nur nach Hause geh'n wir nicht." Foto: Imago Images / Matthias Koch
Größte Stadien
Das Olympiastadion in Berlin und die Veltins Arena Auf Schalke stehen mit mehr als 74.000 bzw. mehr als 62.000 Zuschauerplätzen über den Dingen.
Allerdings ist die Heimstatt von Hertha BSC im Berliner Westend trotz eines Besucherschnitts von 53.191 Fans in der letzten Saison nicht immer ausverkauft. Auch ins Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern und in die Merkur Spiel Arena in Düsseldorf pilgerten im letzten Jahr mehr als 40.000 Fußballanhänger im Schnitt.
Kein Stadion der Championship fasst mehr als 49.000 Menschen, die größte Arena ist das Stadium of Light in Sunderland mit 48.707 Sitzplätzen, vor dem Hillsborough Stadium von Sheffield Wednesday und dem Riverside Stadium des FC Middlesbrough. Hier liegt die deutsche 2. Liga klar vorn.
Was die Stimmung angeht, so kann die Championship fehlende Zuschauerkapazitäten mit uriger typisch-englischer Fußballatmosphäre, etwa in Millwall, bei QPR an der Loftus Road, in Norwich an der Carrow Road oder in Sheffield an der Bramall Lane wettmachen.
Zuschauerschnitt
In der 2. Bundesliga passierten in der letzten Spielzeit 9,44 Mio. Besucher die Stadion-Tore. In England gingen gar 11,1 Mio. Fußball-Zuschauer durch die Eingangs-Drehkreuze.
Pro Spiel kamen 2024/2025 insgesamt 30.825 Zuschauer im Schnitt in die deutschen Zweitliga-Stadien, in der Championship lag dieser Wert bei 21.815 Fans. Punkte-Teilung!
Spaniens La Liga 2 (13.283 Fans pro Spiel / Schnitt), die italienische Serie B (9. 584) und die französische Ligue 2 (7.386) liegen deutlich unter diesen Zuschauerzahlen.
TV Gelder
Laut Transfermarkt.de machten die 18 Zweitligisten in Deutschland 2024/2025 insgesamt 243 Millionen Euro an TV-Geldern – das entspricht dem Betrag, den der BVB, Bayer Leverkusen und RB Leipzig im Oberhaus kassieren.
Die EFL verteilte in der letzten Spielzeit umgerechnet zwischen 11,16 und 14,6 Millionen Euro an Fernsehgeldern aus den nationalen Verträgen (Sky Sports UK), internationalen TV-Rechten und dem so genannten Premier-League-Solidaritätszahlungen an jeden der 24 Vereine – also insgesamt zwischen 266 und 350 Millionen Euro – „Millionenspiel“ um den Premier-League-Aufstieg nicht mitgerechnet.
Klarer Vorteil Championship!
Beste 2. Liga: Unser Fazit
Doch welche 2. Liga ist die stärkste? Ganz schwer zu sagen. „Die Championship“, so Nige Tassell, „ist die letzte Hochburg der großen Fußballtraditionen.“ Stimmt. Hier ist der Fußball noch wild, fast ungezähmt – und er wird mit horrenden TV-Geldern dotiert.
Die 2. Bundesliga ist das mit Sicherheit „meisterlichste“ Unterhaus in Europa. Sie ist in 50 Jahren ihres Bestehens zu einem Premium Produkt geworden, lebt von großen Traditionsclubs und liebenswerten Außenseitern.
Die Championship mit ihrer hohen Intensität, ihrer prominenten Besetzungen und den altehrwürdigen Stadien hat diese gewisse England-Magie und ist dann doch noch mal eine Liga für sich.