Lost Grounds (2): Fünf Stadien zum Gruseln

Carsten Germann am Millerntor

Author: Carsten Germann
Published: 31.10.2024

Veröffentlicht in Lost Grounds,

Halloween-Special in unserer Reihe „Lost Grounds“ – Die-Fussballreise.de-Redaktion zeigt, rein subjektiv natürlich, fünf Stadien in Europa, die von der Architektur oder von der Infrastruktur her einfach zum Gruseln waren. 

Wie schade, dass Luton Town nicht mehr in der Premier League spielt, denn sonst könnte eine Fußballreise Premier League auch in eines der gruselig-schummrigsten Stadien in ganz England führen: An die Kenilworth Road. 

1, Maple Road, Luton LU4 8 AW, unter dieser Adresse gibt es wahrscheinlich weder Süßes noch Saures, aber hier steht ein Ground, der nur 10.000 Fans Platz bietet und wo 2014 noch 4. Liga (Football League Two) gespielt wurde. 

Kenilworth Road Luton

Die Kenilworth Road von Luton Town aus der Vogelperspektive. Foto: Shutterstock

Luton, Kenilworth Road: Einfach der Nase nach…

Duncan Adams beschreibt die Situation für Auswärtsfans in seinem Standardwerk Die Football-Grounds von England & Wales (Verlag: Trolsen, 2007) so: „Der Zugang in den Oak Road Stand ist einer der merkwürdigsten im ganzen Land. Nachdem man eine lange Gasse entlanggegangen ist, scheint es so, als würde man sich anstellen, um ein Wohnhaus zu betreten. Etwa 2.000 Gästefans können dieses seltene Erlebnis haben.“

„Wer zur Toilette will, der „folgt dem Uringeruch“, hat die Kronen-Zeitung (Wien) richtig geschnuppert. Das Fazit des Boulevardblatts: „Völlig aus der Zeit gefallen, aber für Puristen hat es was von ehrlichen Fußball.“

Blundell Park Grimsby Town

,,Lieber zur Hölle als nach Grimsby": Der Blundell Park von Grimsby Town in Cleethorpes gilt als extrem unbeliebt. Foto: Shutterstock.

Der Horror vor Grimsby

Zugig-fischig geht es im Blundell Park von Grimsby Town zu. Im Oktober 2024 kürte das Portal givemesport.com (GMS) das Stadion der in der Football League Two beheimateten „Mariners“ (Seeleute) wahrscheinlich völlig zu Recht zum hässlichsten Stadion in Großbritannien – vor dem Olympiastadion in London, wo West Ham United in der Premier League für immer Seifenblasen ausbläst. 

„Vier Tribünen mit komplett unterschiedlicher Größe, wenig durchdacht“, heißt es dazu bei GMS, „bei dringender Renovierungsbedürftigkeit scheinen Teile des Stadions auseinander zu fallen.“
Viele Gästefans haben regelrecht den Horror vor Grimsby. Denn die 120.000-Einwohnerstadt im Nordosten Englands und insbesondere der knapp 600 Meter von der rauen See entfernte Blundell Park gelten auf der Insel als das Synonym für das Ende der (Fußball)-Welt und sportliche Verbannung. 

Genau hier liegt der Dreh: Der Blundell Park ist ein Stadion, das inmitten von schachbrettartig angelegten Wohnblocks liegt. Das aber eben nicht in Grimsby selbst, sondern in der Nachbarstadt Cleethorpes. Wer hierhin mit dem Auto über die A180 anreist, ist selbst schuld, denn rund um den Ground gibt es keine Parkplätze. Und Parkplatz-Lotto in den engen Seitenstraßen würde hier nicht mal „Lotto King Karl“ spielen… 

Aber auch wer mit der Bahn fährt, muss gut zu Fuß sein. Zwischen dem Bahnhof Cleethorpes und dem Stadion liegen 20 Minuten Fußmarsch. Das ist stramm.

Waldstadion Frankfurt: Einst Betonschüssel, nun Fußballtempel

Eintracht Frankfurt und seine Arena im Stadtwald und sorgen vor allem in den Europacup-Spielen für eine unvergleichliche Gänsehaut-Atmosphäre. Viele sagen, der Deutsche Bank Park hätte gar die beste Fußballstimmung in Deutschland. Da ist was dran.

Aber: Das war bis zum Umbau anlässlich der Heim-WM 2006 anders. Das alte Waldstadion, eine Betonschüssel, die zur ersten Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland ebenfalls komplett umgebaut wurde, erstarrte lange und bis zum Umbau zwischen 2003 und 2005 in Siebzigerjahre-Nostalgie. 

Hohe Ränge, schlechte Sicht durch Leichtathletik-Laufbahn, nur wenige sanitäre Einrichtungen und weite Fußwege durch den Wald mit unebenen Parkplätzen und Zugangswegen die an eine russische Schlammwüste erinnerten, lange Schlangen bei den Einlasskontrollen, damit konnte die Eintracht trotz dem Anfang der 1990er-Jahre mit Andy Möller, Uwe Bein, Anthony Yeboah und Uli Stein zelebrierten „Fußball 2000“ nicht punkten.

Doch! Ein Mal. Es war am 29. Mai 1999. „Als sich die Bundesliga vom Abgrund meldete“ und die SGE mit einem sagenhaften 5:1 gegen Lautern noch den Abstieg vermied, bebte das Waldstadion in seinen Grundfesten.

Altes Wildparkstadion: „Adios, Stadion des Grauens“

„Man hat gesehen, dass auch im Wildpark der Teufel los ist“, das sagte Karlsruhes Trainer Winfried Schäfer nach dem sagenumwobenen 7:0 im UEFA-Cup gegen den FC Valencia am 3. November 1993. Ja, die Saison 1993/94, als der KSC das UEFA-Pokal-Halbfinale erreichte, war besonders. 

Dennoch: In Sachen Magie konnte das weitläufige Wildparkstadion mit seiner Laufbahn, vielen unüberdachten Sitzplätzen und den Wald- und Wiesenparkplätzen mit dem Fritz-Walter-Stadion des Südwest-Rivalen 1. FC Kaiserslautern nicht mithalten. Das änderte sich erst mit dem kompletten Umbau ab 2019, als beispielsweise die Haupttribüne der Abrissbirne zum Opfer fiel. Zur Neu-Eröffnung im Juli 2023 kamen der FC Liverpool und Jürgen Klopp. KSC-Rückkehrer Lars Stindl erzielte das erste Tor im BBBank Wildpark. 

Für den FC Valencia, der in Karlsruhe die höchste Pleite seiner Europacup-Historie hinnehmen musste, war der Wildpark über zwei Jahrzehnte der Ort zum Gruseln. Erst, als die Bagger anrollten, atmete die spanische Sportzeitung Marca auf: „Auf Wiedersehen, Stadion des Grauens!“

Stadion Empoli Serie A

Die Tage des Stadion Carlo Castellani in Empoli scheinen gezählt. Foto: Shutterstock.

Empoli: Offiziell das „hässlichste Stadion Europas“

Das Portal money.co.uk wählte 2022 allein 5 italienische Stadien unter die zehn hässlichsten in Europa. Vor dem Balaidos von Celta de Vigo und dem Stadion Maksimir des kroatischen Rekordmeisters Dinamo Zagreb wurde das Stadio Carlo Castellani des FC Empoli in diesem unrühmlichen Ranking auf Platz 1 gekürt. 

Das Stadion gehört mit nur 16.800 Plätzen zu den kleinsten der Serie A und hat dank einer Laufbahn den Charme einer Leichtathletik-Bezirkssportanlage. Dazu kommen frei stehende, nicht überdachte Sitzplatzblöcke hinter beiden Toren. Die gute Nachricht: Im Juli 2024 legte Empoli Umbaupläne vor. 

Das war’s von Halloween – und immer dran denken: „Unten im Heizungskeller… ist ein Werwolf!“

Carsten Germann am Millerntor

Der Autor: Carsten Germann berichtet seit 2002 aus erster Hand über den englischen Fußball, u. a. für DIE WELT, BILD am SONNTAG und seit April 2021 auch als leitender Redakteur beim Portal Fussballdaten.de. Zudem gab er mit den Büchern Football’s home (2007) und Absolute Dynamite! (2010) zwei Sammelbände mit seinen Fußball-Reiseerlebnissen aus Großbritannien heraus. Für DIE FUSSBALLREISE schreibt er regelmäßig über den Insel-Kick.

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