
Old Trafford Neubau: Ein ikonisches, neues Stadion für Manchester United
Premier League Offside · 31. März 2025 · 5 Min. Lesezeit
Carsten Germann
Die Gefühlslage bei Manchester United haben wir zuletzt vor der Länderspiel-Pause in unserem „Match der Woche“ gegen den FC Arsenal (1:1) in der Premier League beschrieben – nun überrascht der englische Rekordmeister mit Milliarden-Plänen für ein neues Stadion. Damit sind die Tage des „Theatre of Dreams“, des Theater der Träume in Old Trafford, spätestens 2030/2031 gezählt.
Paul Merson gehört zu den berüchtigtsten Kritikern des englischen Fußballs. Die Analysen von „Merse“ sind manchmal haarsträubend („Manchester United wird gegen Liverpool nicht einschlafen, sondern im Schlaf gewinnen.“), aber ich mag sie.
Manchester United Stadion Neubau: „Pathetische Pläne“
Der ehemalige englische Nationalspieler war auch unter den Zitat-Gebern beim vielleicht legendärsten Stück, das ich in 23 Jahren über die Premier League schreiben durfte, beim Meister-Krimi am 13. Mai 2012 mit Manchester City und United im Fernduell. Nach einer vergebenen Chance von Ex-Bundesliga-Star Edin Dzeko brüllte Merson im TV-Studio: „Oh no, he’s missed – No!“ Oh nein, der hat ihn vergeben, nein!
Zu den Plänen für ein neues Stadion von Manchester United hat Arsenal-Legende Merson (327 Liga-Spiele / 2-mal Meister, Europacupsieger der Pokalsieger 1994) seine eigene Meinung.
Allerdings keine gute. „Diese Pläne sind pathetisch“, zitierte die Zeitung Daily Mail Merson den früheren Arsenal-Star am 13. März 2025, „Sir Jim Ratcliffe macht einen gravierenden Fehler. Wenn ich Manchester United-Fan wäre, würde ich vor Wut schäumen.“
Noch ist der Neubau des Stadions von Manchester United im Trafford Park nur ein Modell... Foto: Imago Images / PA
Manchester United Stadion Kapazität: Wie viele Zuschauer passen rein?
So will Miteigentümer Sir Jim Ratcliffe bis 2030/2031 weniger einen Old Trafford Umbau als ein nagelneues Stadion im Trafford Park bauen, das 100.000 Zuschauern Platz bietet und mit einer Zirkuszelt ähnlichen Dachkonstruktion an die für die Wüsten-WM 2022 in Katar und 2034 in Saudi-Arabien erinnert.
Der Stadion Neubau von Manchester United – 2,4 Milliarden Euro Kosten wird das „New Trafford“ verschlingen, 92.000 neue Arbeitsplätze sollen im Sog des Neubaus entstehen. Job-Motor Premier League, das ist ehrenwert. 1,8 Millionen Besucher jährlich sollen der Region Manchester 8,7 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr bringen. Respektabel, Fußballreisen Manchester United werden nach dem Old Trafford Neubau boomen.
Neues Manchester United Stadion: „Ikonisch“, aber nicht unumstritten
„Es wird ein ikonisches, neues Stadion“, sagte Sir Jim Ratcliffe bei der Präsentation des Stadion-Projekts Mitte März 2025.
Wie die Finanzierung des Projekts aussehen soll, ist noch unsicher, Manchester United ist mit 1,2 Milliarden Euro verschuldet.
Die einstmals „wertvollste Fußball-Marke der Welt“ in den Miesen.
Die Zeiten, als man selbst bei Bayern München neidisch nach Manchester geschaut hat, als dort Ende der 1990er-Jahre bereits VIP-Logen und Business-Seats hohe Mehreinnahmen brachten und das Image des „reichsten Clubs der Welt“ mit begründeten, während im Münchner Olympiastadion auf der Haupttribüne im Winter gezittert wurde, sind vorbei.
Der Stadion Neubau Manchester United bedeutet auch den endgültigen Abschied von Old Trafford, vom „Theater der Träume“, über dessen maroden Zustand wir an dieser Stelle berichtet haben.
Wie konnte es soweit kommen? Die US-amerikanische Eigentümerfamilie Glazer hat sich um die Heimstatt von Manchester United nie wirklich geschert.
„Haben das Stadion verrotten lassen“
Wayne wundert es da, dass Old Trafford nicht zu den Spielorten der EURO 2028 in Großbritannien und Irland gehört?
Zwar gab es Dividenden in Höhe von 200 Millionen Euro, doch für einen Old Trafford Aus- oder Umbau wurde wenig bis nichts geändert.
„Wenn die Glazers in die berühmte Heimat des Klubs investiert hätten, wäre ein solch drastischer Schritt nicht nötig gewesen“, glaubt England-Legende Keir Radnedge, „doch die Eigentümer-Familie hat das Stadion verrotten lassen.“
Die Champions-League-Final-Arena von 2003 ist in der Premier League schon die Zielscheibe für den Spott der gegnerischen Fans: „Old Trafford’s falling down“ (Old Trafford bricht zusammen) ist nur einer der Schmähgesänge.
Das Ende der heilen Manchester -United-Welt, es begann nicht erst mit den gigantomanischen Stadion-Plänen. Im Herbst 2024 trennte sich der klamme englische Rekordmeister von 200 Mitarbeitern, unter anderem trat auch Trainer-Legende Sir Alex Ferguson (83) nicht mehr als Markenbotschafter der „Red Devils“ auf.
„Zirkusartige Ästhetik“
Die Fans, unter anderem die Gruppierung „The 1958“ ist fassungslos über das neue Stadion-Design: „Es spiegelt nicht das tief verwurzelte Erbe, die Traditionen und die Verbindungen des Klubs zu seinen Fans wider. Es entspricht eher einer seelenlosen Unternehmensstruktur, die mehr einer modernen Unterhaltungsstätte als einer Fußballkathedrale entspricht. Seine zirkusartige Ästhetik missachtet die Ursprünge des Klubs aus der Arbeiterklasse und die Identität seiner Fangemeinde, die sich über Generationen erstreckt.“
Und diese Identität stiftende Stadion-Einweihung erfolgte im Jahr 1910, mit einem Spiel gegen den Erzrivalen FC Liverpool (3:4).
Die letzten, umfassenden Renovierungsmaßnahmen im Manchester United Stadion mit dem weltbekannten Namen Old Trafford gab es 1995 bis 2000, lange vor dem Einstieg der Glazer-Familie, später noch mal 2006. Das war vor 19 Jahren.
Am Vorabend des Endspiels bei der EURO 1996 trat die britische Band Simply Red mit Manchester-United-Fan und Leadsänger Mick Hucknall (mehr über Konzert Reisen 2025) im „Theater der Träume“ auf, mit Alex Ferguson, damals noch ohne Sir, als Ansager. Eine traumhafte Nacht.
Das ist lange her. Uniteds nationale Konkurrenten Manchester City (Eröffnung: 2002), Arsenal (2006), Tottenham Hotspur (2019) und Liverpool (Ausbau: 2021 bis 2024 / die-fussballreise.de berichtete) entweder neu gebaut oder aufgestockt.
Sie haben dabei fast immer den alten Standort bewahrt und so ein gutes Stück der Vereinskultur erhalten, sind mit den neuen Arenen international konkurrenzfähig geblieben. Manchester United will nun mit dem Neubau nachziehen – und die verlorene Zeit zurückgewinnen.
Auch wenn das in England, dem „Treibhaus der Fußball-Tradition“, nicht jeder so sehen und zugeben mag.
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