
FC Liverpool – Absturz eines Meisters
Premier League Offside · 26. November 2025 · 5 Min. Lesezeit
Carsten Germann
Als Premier-League-Begleiter bist du einiges gewohnt. Erst recht, wenn du dich seit 2001 redaktionell mit dem FC Liverpool beschäftigst. Dass der Weg des englischen Co-Rekordmeisters vom amtierenden Premier-League-Champion zur Lachnummer aber ein so kurzer sein würde, ahnten wohl in Liverpool nicht mal Berufs-Miesmacher.
Erinnern Sie sich noch an den 20. September 2025? Da war das Merseyside-Derby FC Liverpool gegen FC Everton (2:1) unser „Match der Woche“ bei die-fussballreise.de.
Oder anders: Da war die Welt im roten Teil von Liverpool noch in Ordnung.
Fünf Liga-Siege in Folge standen für Liverpool damals auf der Haben-Seite. „The Slot Machine“, wie das Team von Trainer Arne Slot von den Fans auch genannt wird, schien wie ein holländischer Kutter auf der Nordsee seelenruhig der Titelverteidigung entgegen zu tuckern.
Jetzt ist, erlauben Sie mir dieses maritim-banale Wortspiel, der Kutter ernsthaft in Schlagseite geraten. Liverpool funkt S. O. S.
Und das nicht erst seit dem ernüchternden 0:3 (0:1) gegen Nottingham Forest am 22. November 2025 in der Premier League.
Dieses Spiel war ein vorläufiger Tiefpunkt für „The Reds“. Es war die sechste Niederlage aus den ersten zwölf Premier-League-Spielen für die Mannschaft von der Merseyside.
Eine solche Anhäufung an Liga-Pleiten hatte es zuletzt 2014/2015 unter dem nordirischen Trainer Brendan Rodgers gegeben, der im Oktober 2015 für den Deutschen Jürgen Norbert Klopp weichen musste.
Sechs Liga-Niederlagen aus zwölf Auftritten sind für den LFC Negativ-Vereinsrekord.
Ein entsetzter Tribünenbesucher gegen Nottingham war Tom Werner, Vorstandschef der US-amerikanischen Eigentümergruppe FSG. Was er sich nach 480 Millionen Euro für neue Stars – unter anderem kamen der deutsche Nationalspieler Florian Wirtz von Bayer Leverkusen und der Premier-League-Rekord-Transfer Alexander Isak (144 Millionen Euro) von Newcastle United nach Anfield – wohl gedacht hat, entzieht sich unserer Kenntnis.
FC Liverpool gegen Nottingham Forest 0:3 am 23. November 2025 in der Premier League: Die ,,Reds" mit Dominik Szoboszlai und Virgil van Dijk stehen derzeit für die totale Verunsicherung. Foto: Imago Images / Xihua
Liverpool im Jahr nach der Meisterschaft: Viele Fehlerquellen
Was wir aber wissen: Liverpool hat aus den schwachen Leistungen – nur die Champions-League-Spiele bei Eintracht Frankfurt (5:1) und gegen Real Madrid (1:0) dürfen seitdem als Ausreißer nach oben gewertet werden – vor der Länderspiel-Pause nichts gelernt.
0:3 hieß es am elften Spieltag beim Dauer-Rivalen Manchester City, ein in allen Belangen verdienter Sieg für City-Trainer Pep Guardiola in seinem 1.000. Spiel als Cheftrainer.
„Slot braucht Lösungen“, mahnte damals England-Legende Keir Radnedge im Kicker-Sportmagazin (Ausgabe vom 10. November 2025), „muss sich von Ablösesummen und Druck von außen frei machen.“
Gerade das ist bei der momentanen Situation in Liverpool schier unmöglich.
Dass der Niederländer diese Lösungen nach der Rückkehr aus der Länderspielwoche eben nicht gefunden hat, zeigte die Partie gegen die „Tricky Trees“ aus Nottingham.
England-Legende: „Die Mannschaft hat nichts gelernt“
„Die Partie bildete einen Mikrokosmos der allgemeinen Krise ab“, schrieb Radnedge dazu im Kicker (24. November 2025), „alle drei Gegentore fielen nach schlecht verteidigten Standard- oder Umschaltsituationen. Beide Bereiche hatte Trainer Arne Slot bereits vor der Länderspielpause als Schwachpunkte klar angesprochen, doch die Spieler haben offenbar nichts daraus gelernt.“
Scheinbar nicht, nein!
Es scheint vielmehr, als hätten die Gegner den Code der „Slot Machine“, mit einem in der Breite aufgezogenen Spielaufbau, längst geknackt.
Besonders erschreckend in Liverpool ist auch, dass die für fast eine halbe Milliarde Euro geholten neuen Stars derzeit nicht mal ein Scheunentor treffen. Der Rekord-Einkauf der Premier-League-Geschichte, Alexander Isak, ist in Liverpool noch ohne Liga-Tor und ging gegen Nottingham nach 68 Minuten – ohne Qualitätsgewinn bzw. Verlust – vom Platz.
Stars für fast 500 Millionen Euro – aber keine Ideen
Für mich als langjährigen Beobachter ist das kaum nachzuvollziehen. Es kommt nämlich wirklich selten vor, dass eine Meistermannschaft durch 500 Millionen Euro Investitionen kaputt gekauft wird.
Dabei hatte Liverpool nach der Meistersaison 2024/2025 im Prinzip nur eine Baustelle zu schließen, den Abgang von Linksverteidiger Trent Alexander-Arnold (TAA) zu Real Madrid zu kompensieren.
Das gelang nicht – weder der neu vom AFC Bournemouth verpflichtete Milos Kerkez noch sein auf Linksverteidiger agierender ungarischer Landsmann Dominik Szoboszlai konnten diese Position adäquat besetzen.
„Liverpool hat mit dem Transfer von Florian Wirtz sein Mittelfeld zerstört, sie lassen Wirtz spielen und nahmen Szoboszlai heraus“, lautete das harte Urteil von Trainerlegende Arsene Wenger beim katarischen Sender beINSports. Der Elsässer könnte damit richtig liegen: Alexis Mac Allister, Ryan Gravenberch und Szoboszlai waren als Dreier-Reihe in der Meister-Saison Erfolgsgaranten.
Dass Slot im Angriff auf den alternden Star Mo Salah setzt und immer wieder zwischen dem aus Frankfurt für 95 Mio. Euro los geeisten Hugo Ekitiké und Isak wechselt, zerstört den Rhythmus im LFC-Sturm.
„Ich bin verantwortlich für die schlechten Resultate“, sagte Arne Slot, dem die LFC-Bosse von der FSG Group bis Januar 2026 eine Job-Garantie gaben.
Die nächste Entscheidung, die sich als fatal erweisen könnte…
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