100 Minuten Anfield – Deshalb lieben wir die Premier League

Carsten Germann am Millerntor

Author: Carsten Germann
Published: 20.02.2026

Veröffentlicht in Premier League Offside,

FC Liverpool gegen Manchester City 1:2 (0:0) – Kaum ein anderes Spiel hat zuletzt die Faszination Premier League so verdeutlicht, wie der Liga-Klassiker am 8. Februar 2026. Deshalb machen wir den ganzen Spaß. Und wir sind froh, wenn die Premier League aus der einwöchigen FA-Cup-Pause zurück ist.

Erling Braut Haaland war platt. Der norwegische Sturm-Bulle von Manchester City lag im Torraum des FC Liverpool und jubelte. 

Er hatte dem FC Liverpool erst das späteste Gegentor, das zu einer Niederlage in Anfield führte, eingeschenkt und dann das vermeintliche 3:1 erzielt.

In einem Laufduell über den halben Platz hatte sich der Norweger gegen Dominik Szoboszlai durchgesetzt, der verzweifelt versuchte, die City-Tormaschine mit der Textilbremse noch zu stoppen.
Doch das Tor hielt der VAR-Prüfung nicht stand – es gab einen Freistoß für Man. City (!) und Rot für Szoboszlai, der „The Reds“ mit einem Distanz-Freistoß zum 1:0 (74.) in Ekstase versetzt hatte.

Man hätte in diesen Minuten auch den Hinweis „Dauerwerbesendung“ oben rechts im TV-Bild einblenden können. 

Denn die Fans erlebten eine der turbulentesten Schlussphasen in der jüngeren Premier-League-Geschichte. Bernardo Silva (84.) traf zum 1:1, ehe es in der Nachspielzeit einen Elfmeter für die „Skyblues“ gab.

Erling Braut Haaland ließ sich nicht lange bitten – und verwandelte zum 2:1. 92 Minuten und 42 Sekunden standen auf der Uhr, es war somit das späteste Siegtor für ein Gästeteam in Anfield seit 2006/2007.

Liverpool Manchester City 2026

Liverpool kassiert am 8. Februar 2026 gegen Manchester City das späteste Gegentor seit fast 20 Jahren - Sieht so normaler Torjubel aus? Foto: Imago Images / Shutterstock

Liverpool gegen Manchester City: „Werbung für die Premier League“

„Was für eine Dramatik, was für ein sensationelles Spiel“, jubelte England-Legende Keir Radnedge im Kicker-Sportmagazin (Ausgabe vom 9. Februar 2026), „Werbung für den Fußball und die Premier League.“ 

Für Erling Braut Haaland war im vierten Premier-League-Jahr seit seinem Wechsel vom BVB nach Manchester immer mindestens ein Treffer in 23 verschiedenen Stadien der englischen Eliteliga notiert worden. 

Nur im Stadium of Light des AFC Sunderland traf der Norweger noch nie.

Eine andere Erkenntnis: Der FC Liverpool kann anscheinend als Meister nicht gegen Manchester City gewinnen!

In der Saison 2020/2021 verloren sie als Titelverteidiger das einzige von 22 Heimspielen gegen die „Skyblues“, die mit dem 2:1 am 8. Februar 2026 ihren überhaupt erst vierten Sieg im Fußballtempel von Anfield feiern konnten.

Und in Anfield erfreut man sich immer mehr an ihm: Florian Wirtz. Der 125 Millionen Euro teure Neuzugang von Bayer Leverkusen ist zwar noch nicht komplett an der Anfield Road angekommen, doch er hat Fuß gefasst. Er gefällt durch seine taktische Variabilität, spielt mal in der Zehnerposition oder lässt sich tief ins Mittelfeld zurückfallen. Und er steht mittlerweile bei 14 Tor-Beteiligungen (sechs Treffer) aus 35 Auftritten für die Merseysiders. 

Der erste Achtungserfolg: Die Premier-League-Profis wählten ihn zum „Spieler des Monats“ Januar 2026.

Wirtz wirbt mit Beckham – Ein Meilenstein

Wirtz wird in Liverpool richtig stark – das war meine Prognose schon nach seinem Wechsel, als er dem FC Bayern einen Korb gegeben hatte und im Medien-München geschmollt wurde.

Die ersten zwölf Spiele lang hatte Florian Wirtz bei den „Reds“ einen schweren Stand – er blieb ohne Scorerpunkt.

Das ist aber im angespannten Umfeld eines solchen Traditionsvereins, der hohe Investitionen getätigt hatte und nun hinter den Erwartungen herhinkt, ganz normal. Da bedarf es keiner Häme.
Erst recht nicht, seit Florian Wirtz die Dinge in Liverpool zu seinen Gunsten gedreht hat – mit vier Toren und drei Tor-Vorlagen in den vergangenen 13 PL-Spielen. Sechs Tore waren es seit Mitte Dezember 2025 Wettbewerb übergreifend für ihn. 

Der Wirtz-Effekt ist auch der Werbe-Branche nicht verborgen geblieben. Wie die geschätzten Kollegen von SPORT BILD (Ausgabe 7 / 2026) berichteten, steht in Kürze eine Werbekampagne mit Wirtz und Englands Fußball-Idol Sir David Beckham für einen Getränke-Giganten auf der Agenda.
Ende Februar 2026 soll gedreht werden, der Werbevertrag für Wirtz ist auf zwei Jahre datiert – und beschert ihm kolportierte 1,5 Millionen Euro.

Florian Wirtz könnte – bei solchen Prognosen muss man immer vorsichtig sein, schlag nach bei Jan Age Fjörtoft, der Niclas Füllkrug bei West Ham United den großen Durchbruch in der Premier League vorhersagte – der neue deutsche Star der Liga werden.

„Big Nick“ Woltemade: Unglücklich in Newcastle?

Diese Rolle schien zu Saisonbeginn noch für Nick Woltemade bereit zu liegen.

Der 1,98 m große Sturmbulle wechselte für 75 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu Newcastle United. „Big Nick“ traf zwar als erst dritter Deutscher bei seinem Premier-League-Debüt (nach Jürgen Klinsmann 1994 für Tottenham Hotspur und Ilkay Gündogan 2016 bei Manchester City), doch die Zeichen, dass er die Tyneside nach nur einer Saison wieder verlassen könnte, mehren sich.
Woltemade kokettierte im Februar mit einem Wechselwunsch zu Bayern München, das nach seinem Transfer pikiert regiert hatte. So gratulierte Bayern-Legende Karl-Heinz Rummenigge, in München auch die „Abteilung offenes Wort“, nicht ohne Häme „dem VfB Stuttgart dafür, dass er einen Idioten gefunden hat, der eine solche Ablöse zahlt.“ 

Schon jetzt ein „Killer-Kalle-Klassiker“! Aber: Häme ist, wenn es um die Premier League, ihre Wertigkeit für Spieler, Trainer, Fans und TV-Rechteinhaber geht, nicht angebracht. 

Zurück zu den Fakten. Seit dem 20. Dezember 2025 wartet Woltemade auf ein Premier-League-Tor. „Woltemades Sinkflug zum nur noch sporadisch genutzten Joker hatte sich nicht angedeutet“, schrieb das Kicker-Sportmagazin schon nach dem 1:4-Debakel von United beim FC Liverpool. 
In der Partie gegen Newcastle hatte Wirtz zwei Tor-Beteiligungen zu verzeichnen und sagte anschließend bei BBC: „Ich musste einfach stark bleiben und an mich glauben. Ich sagte mir: Du hast es in Deutschland so gut gemacht, du kannst es hier ja nicht einfach vergessen haben, wie man Fußball spielt.“

Nein. Florian Wirtz oder: How to make it in the Premier League.

Carsten Germann am Millerntor

Der Autor: Carsten Germann berichtet seit 2002 aus erster Hand über den englischen Fußball, u. a. für DIE WELT, BILD am SONNTAG und seit April 2021 auch als leitender Redakteur beim Portal Fussballdaten.de. Zudem gab er mit den Büchern Football’s home (2007) und Absolute Dynamite! (2010) zwei Sammelbände mit seinen Fußball-Reiseerlebnissen aus Großbritannien heraus. Für DIE FUSSBALLREISE schreibt er regelmäßig über den Insel-Kick.

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