
Premier League TV Rechte: Nordkorea und die Stunde der Zensoren
Premier League Offside · 6. März 2025 · 5 Min. Lesezeit
Carsten Germann
Premier League TV Rechte sind weltweit gefragt. In Zahlen ausgedrückt: in 152 Länder flimmert das Geschehen aus der stärkste Liga der Welt über die Bildschirme. Auch Nordkorea ist auf den Premier-League-TV-Zug aufgesprungen. Mit einigen Auflagen, die die fragwürdige Ausstrahlung aus der Grauzone noch einmal bizarrer erscheinen lassen, als sie ohnehin schon ist.
Und nun zu etwas völlig Anderem… Nordkorea ist anscheinend auf den Geschmack gekommen. Der Champions-League-Hit Real Madrid gegen Manchester City (3:1) lief im staatlichen Fernsehen KCTV – gratis und gebührenfrei.
Als „besonderer Service für das Volk“ wurde das Spiel angekündigt und live gezeigt, wobei wahrscheinlich kein normal sterblicher Nordkoreaner eine Fußballreise Champions League buchen darf.
Die Premier League TV Gelder bringen den 20 Clubs gemäß dem neuesten Premier League TV Vertrag ab der Saison 2025/2026 bis zu 8 Milliarden Euro. Die aktuelle Live-Übertragung hat im Premier League TV Vertrag sechs Milliarden Euro garantiert.
In Deutschland und Österreich liegen die Premier League TV Rechte bis einschließlich 2027/2028 bei dem in München ansässigen Pay-TV-Sender Sky. TNT Sports und Sky Sports UK teilen sich in Großbritannien die Sende-Rechte.
Ohne Premier League TV Vertrag: „Die beste Liga der Welt kostenfrei“
Schwenken wir nun über zum Kernproblem der Premier-League-Propagandashow in Nordkorea. Ein Premier League TV Vertrag zwischen den Nordkoreaner und den Machern von News Corp existiert britischen Medienberichten zufolge nämlich nicht.
Warum auch? „Wir wollen dem Volk die Möglichkeit bieten, einer der besten Ligen der Welt kostenfrei zu verfolgen“, tönt Nordkoreas Diktator Kim Jong-un.
Kostenfrei ist gut… Die Spiele werden mitunter mit monatelanger Verzögerung ausgestrahlt. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, begann die TV-Übertragung der Premier League in Nordkorea am 13. Januar 2025 mit dem Spiel Ipswich Town gegen den FC Liverpool (0:2) und der Liga-Premiere für LFC-Coach Arne Slot.
Dieses fand aber schon 150 Tage früher statt, im August. Okay, nicht ganz auf Ball-Höhe…
Premier League im TV: In den fragwürdigen Zusammenfassungen der englischen Eliteliga in Nordkorea kommt der Torjubel südkoreanischer Spieler, wie hier Heung-min Son am am 2. Februar 2025 für Tottenham Hotspur in Brentford, nicht vor. Foto: Imago Images / Sportimage
Aus der Saison 2023/2024 kamen 21 Spiele in die nordkoreanischen Wohnstuben.
Natürlich nicht live, sondern nur in Zusammenschnitten, die maximal 60 Minuten lang sind und vorher zig Mal durch den Schnittcomputer gelaufen sind.
„Die Übertragung ist natürlich ein Bruch des Urheberrechts“, erklärt Justin McCurry, Tokio-Korrespondent des Guardian im Februar 2025, „Nordkorea hat keine Senderechte, um die Premier League zu zeigen.“
McCurry weiter: „Live-Action oder Gary Lineker, der in Unterhosen moderiert (im Anschluss an eine verlorene Meister-Wette zu Leicester City 2016, d. Red.), kann man nicht erwarten…“
Was kann man sonst so erwarten? Das nordkoreanische Staatsfernsehen KCTV zeigt vornehmlich Kriegsfilme, bei denen es natürlich nur einen Sieger gibt, und Propaganda für die seit 1948 regierende Kim-Dynastie in der Endlosschleife.
Premier League TV in Nordkorea: Sechs Monate später…
Sechs Monate nach dem Saison-Start 2024/2025 flimmert nun die Premier League nach dem Gusto der nordkoreanischen Machthaber über den Bildschirm.
„Dass Kim den Westen jahrelang dämonisiert hat, konnte ihn nun nicht davon abhalten, eine der europäischen Top-Ligen regulär im nordkoreanischen TV zu installieren“, so Justin McCurry, „in einem fußballbesessenen Land, das in internationalen Wettbewerben durchaus Spuren hinterlassen hat.“
Fragen Sie mal in Italien nach – Die „Squadra Azzurra“ erlebte bei der WM 1966 in England mit dem „Aus“ gegen Nordkorea (0:1) in Middlesbrough durch ein Tor von Pak Doo-ik, im Hauptberuf Militärarzt, eine der größten Schock-Niederlagen in der Geschichte der Weltmeisterschaften.
Premier League in Nordkorea – das ist ein Fest für westliche Satiriker und in Pjöngjang auch offensichtlich Schwerstarbeit für die Abteilung „Zensur“.
Jedes Premier-League-Spiel wird vor der Ausstrahlung editiert, inklusive der Bearbeitung sämtlicher eingeblendeter, englischsprachiger Grafiken. Auch alle Textelemente im Stadion werden mit nordkoreanischen Übersetzungen überblendet.
„Kim Jong-un“, berichtet die Wiener Kronen-Zeitung (Ausgabe vom 2. März 2025), „hat strikte Auflagen, die erfüllt werden müssen, um Bewegt-Bilder von Salah und Co zu sehen.“
Diese Auflagen lassen einen als langjährigen Beobachter kopfschüttelnd zurück.
Die in der Premier League und anderen Ligen gelebte Diversität kommt in Nordkorea nicht vor. Sämtliche Symbole, die auf Gleichheit und Diversität hinweisen, wie etwa die regenbogenfarbenen Spielführerbinden oder Eckball-Flaggen, werden rigoros aus den Übertragungen entfernt.
Premier League Stars aus Südkorea: Der Son kommt in diesem Spiel nicht vor…
Last but not least: Die drei Premier-League-Profis aus dem Land des „Klassenfeindes“ Südkorea werden von Pjöngjang komplett aus dem Spiel genommen.
Das sind in der Saison 2024/2025 Ex-HSV- und Leverkusen-Spieler Heung-min Son von Tottenham Hotspur, Hee-chan Hwang von den Wolverhampton Wanderers und Kim Ji-soo vom FC Brentford, deren Heimatland Südkorea Kim als „Staatsfeind Nummer eins“ ausgerufen hat.
Heißt zumindest für die in dieser Saison ausgewählten Partien: Den Spielverlauf muss man sich wohl ausmalen…
15 Tor-Beteiligungen von Heung-min Son in 24 Auftritten für die „Spurs“ müssen dann ebenso rausgeschnitten werden wie die zwei Treffer von Hwang für die „Wolves“.
Kim Ji-soo wurde bei Brentford erst 2-mal eingesetzt.
Die Namen der Südkoreaner und Grafiken, etwa mit Leistungsdaten dieser Spieler, werden gewohnt humorlos herausgeschnitten.
Oder anders: Der Son kommt in diesem Spiel nicht vor…
Das gab es in England zuletzt 1975 und im Monty Python-Film Ritter der Kokosnuss mit dem berühmten „Sir-kommt-in-diesem-Film-nicht vor.“
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