
Hearts on Fire – Gibt es die Meister-Ablösung in Schottland?
Premier League Offside · 9. Oktober 2025 · 4 Min. Lesezeit
Carsten Germann
Willkommen zu einer Sonder-Ausgabe der Premier League Offside, dieses Mal leicht abgewandelt mit der Premiership Offside, einem Blick hinter die Kulissen der schottischen Premiership, wo sich eine Sensation anbahnt.
Wenn man ehrlich ist, ist in der schottischen Premiership seit dem gemeinsamen Champions-League-Aus von Celtic FC und Glasgow Rangers im August 2025, blamablen Auftritten gegen Kairat Almaty aus Kasachstan und den Club Brugge nichts mehr, wie es war.
Ich habe mir beide Glasgower Giganten in der Europa-League-Ligaphase im TV angesehen: Sturm Graz gegen die Rangers (2:1), Roter Stern Belgrad gegen Celtic 1:1. Die Grazer durften dabei – wie im Oktober 2000 in der Champions League – gegen die Schotten jubeln.
Auch, wenn die beiden Gegner aus Österreich und Serbien fußballerisch nicht die Sterne vom Himmel spielten: Es waren zwei Auftritte, die nicht den Erwartungen der erfolgsverwöhnten Fans in Glasgow entsprechen und die auch dem letzten sorgenfreien Fan der „Bhoys“ von Celtic und der „Gers“, wie die Rangers in Schottland auch genannt werden, zu denken geben dürften.
Wo stehen Celtic und Glasgow Rangers in der Tabbelle?
Die Tabelle der Scottish Premiership stellt diese für die Old-Firm-Clubs bitteren Realitäten nach sieben Spieltagen jedenfalls gut dar: Celtic Glasgow steht auf Rang zwei mit zwei Punkten Rückstand auf den Überraschungs-Tabellenführer Heart of Midlothian.
Glasgow Rangers FC, derzeit nur Tabellenachter, trennte sich nach dem 1:2 in Graz von dem bei den Fans unbeliebten englischen Trainer Russell Martin.
Ob Ex-Trainer und Volksheld Steven Gerrard („Oh Captain, mein Captain!“) wieder in Ibrox einsteigt, dürfte sich über die Länderspiel-Pause entscheiden. Gerrard ist zwar auch Engländer, aber er durchbrach 2021 die Meister-Reihe von Celtic.
Die könnte nun ein Club aus dem national wie international viel zu oft unterschätzen Edinburgh durchbrechen: Heart of Midlothian. Denn auch die schottische Hauptstadt stellt mit den „Hearts“ und den „Hibs“ von Hibernian Edinburgh zwei Premiership-Top-Teams.
Fußballreisen Heart of Midlothian: Alexander Schwolow (r.), Claudio Braga und Torjäger Lawrence Shanland feiern den Derbysieg gegen Hibernian Edinburgh am 4. Oktober 2025 in der Schottischen Premiership. Foto: Imago Images / Pro Sports Images
Fußballreisen Heart of Midlothian: Im Tynecastle Park fliegt ein deutscher Torhüter
Die Mannschaft aus dem Tynecastle Park erlebte vor der Saison einen finanziellen Anschub. Der Mathematiker Tony Bloom, der auch Investor von Brighton & Hove Albion in der englischen Premier League ist, gab elf Millionen Euro für die Hearts.
Für den Brasilianer Ageu (kam von Santa Clara, La Liga Portugal), der noch ohne Premiership-Tor ist, legte man aber nur zwei Millionen Euro hin.
Der beste Torjäger ist einer, den mir Schottland-Idol Murdo MacLeod vor der EURO 2024 als „unseren torgefährlichsten Stürmer“ anpries: Lawrence Shankland. Er hätte die „Hearts“ im Sommer wahrscheinlich ablösefrei verlassen, wenn nicht mit Derek McInnes ein neuer Coach nach Edinburgh gekommen wäre.
Beide arbeiteten schon beim FC Aberdeen zusammen. Shankland – 75 Tore in 147 Pflichtspielen – blieb und steht mit vier Treffern aus sieben Liga-Spielen Team intern an der Spitze der Torschützenliste.
In der Liga ist bislang nur der Kroate Ivan Dolcek von Dundee United (fünf Treffer) besser als Shankland, der durchaus als Gesicht des Höhenflugs von Heart of Midlothian durchgehen kann.
Der deutsche Torhüter Alexander Schwolow kam ablösefrei von Union Berlin nach Schottland. Er hielt in drei Einsätzen über 270 Minuten seinen Kasten sauber, so auch zuletzt im „kleinen Old Firm“, im Edinburgh-Derby gegen Hibernian (1:0).
Last but not least verpflichtete der findige McInnes den Innenverteidiger Stuart Findlay vom FC Kilmarnock, der als Abwehrspieler bereits vier Tore erzielte.
Klar, Fußballreisen Schottland definieren sich über die Rivalität der Old-Firm-Parteien Celtic und Rangers und kein anderes Spiel wird das Old Firm bei den „Bravehearts“ je in den Schatten stellen. Aber: Schottische Premiership ist eben auch das ewige Meister-Duell Celtic vs. Rangers.
Wird erstmals seit 40 Jahren kein Old-Firm-Club Meister?
Seit 1985 und damit seit 40 Jahren wartet Schottland auf einen Meister, der nicht Celtic FC oder Glasgow Rangers heißt.
Zuletzt gelang es dem FC Aberdeen, die Phalanx der Glasgow-Giganten zu durchbrechen. Trainer war ein gewisser Sir Alexander Chapman Ferguson, damals noch ohne Sir, der sich mit acht großen Titeln bei den „Dons“ unsterblich machte und in der Saison 1984/85 die Premiership mit sieben Zählern vor Celtic gewann.
Könnte Heart of Midlothian nun der Club sein, der Historisches schafft? Steile These nach sieben Spielen, logisch.
Die Experten zweifeln allerdings. „Es läuft also rund, aber ob Celtic deswegen das große Flattern im Meisterrennen bekommt? Abwarten“, schrieb Schottland-Insider Phil Gordon am 2. Oktober 2025 im Kicker-Sportmagazin, „wohl eher nicht, denn die Saison ist noch lang und auf Strecke sollte sich doch der Favorit durchsetzen. Für Spannung sorgt diese Momentaufnahme aber allemal.“
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