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West Ham Stadion alt: Was ist mit dem Upton Park passiert?

Lost Grounds · 6. September 2025 · 5 Min. Lesezeit

Boleyn Ground
West Ham United altes Stadion
West Ham United
CG

Carsten Germann

Veröffentlicht am

West Ham United und sein altes Stadion Upton Park – Das Zeitalter der Arenen holte im Mai 2016 auch den Club aus dem Londoner East End ein. Nach mehr als 110 Jahren zog West Ham United von seinem angestammten Boleyn Ground im London District of Upton Park ins Olympiastadion. Das letzte Date mit dem „alten Mädchen“ (Old Girl), wie das Stadion von den Fans auch genannt wurde, war schmerzhaft. 

Es galt, das dem Abbruch preisgegebene Stadion an der Green Street würdig zu verlassen. West Ham hatte hier von 1904 bis 2016 gespielt. „Einer meiner Arbeitskollegen organisierte das Spiel, er hatte so eine Fan-Partie schon einmal organisiert und war direkt wieder mit dabei“, erzählt West-Ham-Fan Paul Drew aus Romford bei die-fussballreise.de, „es war magisch, auf dem heiligen Rasen zu spielen. Ich hatte in den vielen Jahren zuvor mit West Ham nur einmal auf dem Rasen gestanden, als ich als Kind raufgerannt bin und den Spielern gratuliert habe.“ 

Der Boleyn Ground nahe der Green Street war mehr als „nur ein" englisches Fußballstadion. Es war die Schmiede von Legenden, Triumphen und die Heimstatt von vier englischen Weltmeistern von 1966. 

West Ham Altes Stadion: „No West Ham, no World Cup“

Dass England es im Sommer 2018 bei der beinahe erfolgreichen Weltmeisterschaft in Russland nicht schaffte, den ersten Halbfinal-Einzug seit 1990 zu vergolden und den Titel zu holen, verleitete Spaßvögel wie Paul Drew zu einer logischen Schlussfolgerung, die er damals per WhatsApp an seinen gesamten Freundeskreis schickte: „No West Ham, no World Cup“ – und dazu ein Foto mit den feiernden Engländern von 1966 um Kapitän Bobby Moore und den trauernden „Three Lions“ von Moskau.

Englands Trainer Gareth Southgate hatte für die WM-Endrunde keinen Spieler der „Hammers“ nominiert… 

West Ham United Boleyn Ground

Blick auf die Dr. Martens-Stand mit den charakteristischen Burgtürmen im Boleyn Ground von West Ham United. Foto: Shutterstock

Upton Park London: Emotionen und Erinnerungen 

Dennoch. Wie die Weltmeisterschaft für die leidgeprüften Anhänger der englischen Nationalmannschaft der Stoff ist, aus dem die Träume sind, so gab auch das letzte Pflichtspiel von West Ham United am 10. Mai 2016 im Boleyn Ground eine Menge her. 

„Heute ist ein trauriger und ein glücklicher Tag“, twitterte West-Ham-Fan Spencer Owen unmittelbar vor dem letzten Spiel im alten Stadion gegen Manchester United, „heute ist Anfang und Ende, heute sagen wir in unserem alten Heim auf Wiedersehen und ziehen in ein neues Stadion um.“ 

Mark Wright sah es weniger optimistisch: „Ein trauriger Tag! Upton Park ist ein Teil vieler Erinnerungen in meinem Leben. Als Kind bin ich mit meinem Vater und meinem Bruder und bis zum heutigen Tag hierhergekommen.“ 

Stewart Potter gab sich „emotional vorbereitet auf diesen Tag“. Seine Einschätzung: „Man brauchte schon Manschetten, um dieses Spiel gefühlsmäßig irgendwie zu überstehen. Zwei der letzten Spiele, die wir im Boleyn Ground gemacht hatten, waren gegen zwei Teams, die von den Buchmachern favorisiert worden waren. Nach 1:2 noch 3:2 zurückzukommen und eine Ära so zu beenden, besser geht es nicht. Es war ein Tag, an den ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde.”

Paul Drew über das alte und das neue Stadion von West Ham United: „Meine Freunde und ich gehen normalerweise zuerst ins Pub, um das Gros der Zuschauer abziehen zu lassen. Die Atmosphäre im Olympiastadion wird niemals mit Boleyn mithalten können, denn Boleyn war eine Festung. Würde man aus dem Olympiastadion ein reines Fußballstadion machen, käme es selbst dann nie auch nur annähernd an die Magie von Old Girl herankommen.”

Nun, diese Umbaumaßnahmen sind bis heute nicht erfolgt, so bleibt der Wunsch nach einer besseren Stadion-Atmosphäre im London Stadium für fast ein Jahrzehnt unerfüllt.

Warum heißt Boleyn Ground Upton Park?

Das Stadion wurde 1904 nach dem Entwurf von Henri Pillipe Tiite Parker erbaut, nachdem der Club das Grundstück vom „London District of Upton Park“ zur Verfügung gestellt bekommen hatte. 

Dort wurde das so genannte „Green Street House“ als Schule benutzt. Dieses Gebäude war aufgrund der Verbindung zu Anne Boleyn, der 1536 hingerichteten, zweiten Frau des englischen Königs Heinrichs VIII., einst das Grundstück gehörte, auch bekannt als Boleyn Castle. Obwohl das Stadion offiziell Boleyn Ground hieß, war es im Volksmund eher als Upton Park bekannt. 

Leicht zu merken, denn die nächste U-Bahn-Station zum Stadion und zur Green Street ist Upton Park (City-, District und Hammersmith-Line) und eben nicht West Ham…

Green Street Apartments West Ham

An der Stelle des alten West Ham Stadions stehen jetzt schicke, urbane Apartments. Foto: Shutterstock

Was wurde im Upton Park gebaut?

Seit ein paar Jahren gilt rund um den Upton Park das Motto „Schöner Wohnen im East End.” Auf dem Areal des alten West-Ham-Stadions, das ich am 25. November 2006 zusammen mit dem früheren Hooligan und heute als Buchautor (u. a. Terrace Legends – Legenden der Stehränge / Verlag: Trolsen, 2005) tätigen Cass Pennant gegen Sheffield United (1:0) im Rahmen eines Interviewtermins in London besucht habe, sind bis zum Jahr 2022 inzwischen 842 exklusive Wohnungen entstanden. 

15 Gebäude in verschiedenen Höhen wurden rund um drei große, kommunale Gärten arrangiert. 

Wofür ist Upton Park berühmt?

Das alte West Ham Stadion Upton Park war in den 1990er-Jahren auch das Ausweichstadion des Londoner Clubs Charlton Athletic (1991/92).

Charakteristisch war die Dr. Martens-Stand (Main Stand), die nach dem letzten Umbau 2001 rund 15.000 Zuschauern Platz bot. Sie umfasste zwei Zuschauerränge und hatte im Eingangsbereich zwei stilisierte Burgtürme mit dem Vereinswappen der „Irons” als Markenzeichen.

Auf der Green Street, wo sich das Stadion befand, ist bis heute die Bronzestatue mit West Hams Weltmeistern Sir Geoff Hurst, Bobby Moore († 1993), Martin „The Ghost” Peters († 2019) und Ray Wilson († 2018) ein Anlaufpunkt für Fans und Fußball-Reisende. Das lohnt sich. 

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