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Leicester City und Vardy gegen den Rest der Welt

Premier League Offside · 22. November 2024 · 6 Min. Lesezeit

Jamie Vardy
Leicester City
CG

Carsten Germann

Veröffentlicht am

Vor neun Jahren startete Leicester City seinen einmaligen Siegeszug durch die Premier League und wurde 2015/2016 zum größten Sensationsmeister aller Zeiten in der englischen Eliteliga. Zur Wahrheit des Vardy-Märchens gehört aber auch, dass Leicester 2023 der zweite Meister der Premier-League-Ära war, der absteigen musste. Nun sind die „Foxes“ wieder da und Jamie Vardy ist immer noch die Kultfigur rund ums King Power Stadium. Sie haben sich den Außenseitercharme von einst beibehalten – und schon allein dieses Feeling ist eine Fußallreise Leicester City wert. Vardy und Co gegen den Rest der Welt – oder? 

Es war ein bemerkenswerter Satz von Jamie Vardy. Während der Corona-Pandemie lieferte der legendäre Stürmer ein ungewöhnliches Bekenntnis. „Leicester verlassen? Niemals!“, schrieb James Richard Gill, genannt Jamie Vardy, am 6. Januar 2021, „sie wollten mich, als niemand mich wollte, ich werde sie niemals enttäuschen.“ Word.

Das hat Jamie Vardy auch nie getan. Mit 194 Toren in 474 Pflichtspielen wurde der vorbestrafte Mittelstürmer zum Rekord-Torschützen von Leicester City.

Allein 24 Tore steuerte er im Meisterjahr in 36 Spielen bei und wurde völlig zu Recht Englands „Fußballer des Jahres“ 2016. 

In dieser Saison (Stand: 22. November 2024) liegt seine Treffer-Quote bei 4 Toren aus 10 Premier-League-Spielen. Nicht schlecht für einen 37 Jahre alten Sturm-Methusalix, denn es reicht derzeit immer noch, um Team intern bester PL-Schütze zu sein…

Rückkehrer Leicester hat es in der Premier League nicht leicht

An der Seitenlinie – auch das ist ein Stück Pikanterie in Leicester – steht der ehemalige Trainer des Erzrivalen. Steve Cooper löste zum 1. Juli 2024 den italienischen Aufstiegstrainer Enzo Maresca (jetzt FC Chelsea) ab. 

2022 – noch so ein historisches Stück aus den East Midlands – führte Cooper Nottingham Forest nach 23 Jahren Abstinenz über die Playoffs zurück in die Premier League

Wirklich beflügeln konnte der Waliser das Team noch nicht, Leicester hat erst zwei Spiele gewonnen und wird als Rückkehrer wohl bis zum letzten Spieltag um das Premier-League-Ticket to ride für das nächste Jahr kämpfen müssen.

2023 gelang der Liga-Erhalt nicht. 2022 noch im Halbfinale der neuen Europa Conference League, musste Leicester City als zweiter Premier-League-Meister nach den Blackburn Rovers, die 1995 triumphiert hatten, den bitteren Weg in die 2. englische Liga (Championship) antreten. Knackpunkt war die WM-Pause im November / Dezember 2022:

Nach dem Re-Start der Premier League gewannen Vardy und Co. nur noch 2 von 22 Spielen und hatte den Liga-Erhalt schon vor dem 38. Spieltag nicht mehr in der eigenen Hand. Schwer wog auch der Abgang von Torhüter-Idol Kasper Schmeichel. 

Fußballreisen Leicester City sollte man in dieser Saison so oder so planen, denn der Vertrag von Jamie Vardy, einst von Fleetwood Town für 1,24 Mio. Euro aus der fußballerischen Versenkung geholt, läuft am 30. Juni 2025 aus.

Leicester City Jamie Vardy

Er fliegt immer noch für Leicester City: Stürmer-Oldie Jamie Vardy. Foto: Imago

Vardy, der letzte Meisterspieler von 2016

Ob der letzte verbliebene Meister-Held von 2016 noch ein Jahr dran hängt? Ausschließen würde ich bei Leicester City ja nun mal überhaupt nichts.

Leicester City – 1884 gegründet, hatte der Verein außer drei Ligapokal-Siegen (1954, 1997, 2000) lange nicht viel auf dem Briefkopf. Meister war der Club aus der 330.000-Einwohnerstadt 150 Kilometer nördlich von London vor 2016 noch nie. 

Ein Spiel gruselt mich noch heute: 1:2 im FA Cup gegen den No-Name-Club Wycombe Wanderers mit dem zuvor arbeitslosen Stürmer Roy Essandoh im März 2001. Leicester City agierte, als wäre es das Ziel des Fußballspiels, die Anzeigentafel im altehrwürdigen Stadion an der Filbert Street zu treffen… 

Leicester City Englischer Meister 2016

Das Meister-Wunder 2016 wird gefeiert: Leicester City auf der Busparade. Foto: Shutterstock

Der Ball, der vom Himmel fiel

Auch im Meisterjahr 2015/2016 habe ich viele Spiele der „Foxes“ redaktionell begleitet. Wie etwa die Partie gegen den FC Liverpool (2:0) mit dem Ball, der vom Himmel fiel. Es war Vardys unglaubliches Distanztor zum 1:0 gegen „The Reds“. „Mignolet (Cedric Mignolet, Torhüter des FC Liverpool, d. Red.) konnte nur da sitzen und sich wundern, über das, was gerade passiert war“, schrieb die Zeitung Daily Mail über diesen wunderbaren Treffer. Das war am 2. Februar 2016. So ein Tor machst du nur mit dem ganzen Selbstvertrauen eines Tabellenführers. 

Wirklich dran geglaubt haben sie in Leicester wohl vier Tage später, als City das Etihad Stadium stürmte und die „Sky Blues“ aus Manchester mit 3:1 schlug. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Robert Huth mit 2 Toren und Riyad Mahrez zogen groß auf. „We’re gonna win the League“ („Wir werden Meister“), skandierten die Leicester-Fans in Manchester. 

„Blue done it“, hieß es dann in The Sun am 3. Mai 2016, als ein Unentschieden von Verfolger Tottenham Hotspur im London-Derby beim FC Chelsea (2:2) Leicester den Titel gebracht hatte. Die Meister feierten standesgemäß – und zwar bei Jamie Vardy zu Hause. Nur den Fangesang zum Kult-Stürmer, „Jamie Vardy’s having party, bring your Vodka and your Charlie“ (Dt.: „Jamie Vardy macht eine Party, bringt Euren Wodka und Euer Koks mit.“) nahmen sie nicht wörtlich. Zum Glück nicht. 

5.000: 1

Die Bilder von der Haus-Meisterparty gingen um die Welt, die unwahrscheinlichste Meisterschaft der Premier League – bei 5.000:1 standen die Quoten anfangs bei den Buchmachern – war perfekt.

Leicester war aber kein One-Hit-Wonder. Im folgenden Jahr stürmte man mit Meistertrainer Claudio Ranieri, den der bei City ausgebildete Gary Lineker einst als „Neary Man“, also als ewigen Fast-Meistercoach, bezeichnet hatte, bis ins Champions-League-Viertelfinale. 

Das nächste Ausrufezeichen setzte das Team 2021: Mitten in der Corona-Zeit und vor immerhin 20.000 zugelassenen Zuschauern in Wembley gewann Leicester City gegen den FC Chelsea den FA Cup – 1:0 durch ein Tor von Youri Tielemans.

Damals spielten noch einige der Meister-Helden für die „Foxes“: Kasper Schmeichel (jetzt Celtic Glasgow), Wes Morgan (Karriere-Ende, zuletzt Nottingham Forest) oder Marc Albrighton (Karriere-Ende 2024). 

Sie gingen irgendwann, Jamie Vardy blieb. Der WM-Teilnehmer von 2018 ist aber nicht der einzige Liebling im King Power Stadium. 

Eine Kultfigur gibt es auch auf den Rängen. Es ist der Trommler Lee „Wide Load“ Jobber, der für die Fans seit 2004 den Takt angibt. Allein 800 Euro gab der schwergewichtige Hardcore-Fan nach eigener Auskunft für die Nachzeichnungen der Konturen seiner 150 Tätowierungen nach der Meisterschaft aus. 

Er ist ein Stück weit unverzichtbar. Als seine Trommel 2009 defekt war, verlor Leicester drei Mal in Folge…

Wann spielt Leicester City 2024/2025 gegen den FC Liverpool?

Leicester City tritt in dieser Saison noch zwei Mal gegen „The Reds“ an und zwar zum „Boxing Day“, Englands Fußball-Tag am 2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember 2024, 21 Uhr), in Anfield. Das Rückspiel am 33. Spieltag (19. April 2025) im King Power Stadium könnte entscheidenden Charakter haben. 

Wann gibt es das East Midlands-Derby gegen Nottingham Forest?

Das Hinspiel in diesem Derby gewann Nottingham mit 3:1 in Leicester. Die „Tricky Trees“ empfangen den Rivalen Leicester City am 36. und drittletzten Spieltag (10. Mai 2025) im City Ground. 

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