London calling – Die britische Metropole hat die meisten Clubs aller Hauptstädte der Top-5-Ligen. Aber auch in der Championship ist London repräsentiert. Mit Charlton Athletic stieg am 25. Mai 2025 der dritte Club nach den Queens Park Rangers und dem FC Millwall in die zweite englische Liga auf. Doch welches ist das größte London Derby?
London Derbys gibt es von der Premier League bis runter in die Non-League. Acht Vereine aus der Derby-Hauptstadt treffen sich 2025/2026 in der Premier League – und zwar der FC Arsenal, der FC Brentford, Conference-League-Sieger FC Chelsea, FA Cup-Sieger Crystal Palace, FC Fulham, Europa League-Sieger Tottenham Hotspur und West Ham United.
London Derby 2025: Nur zwei Clubs in der League One
Charlton Athletic aus dem Londoner Süden, die Queens Park Rangers aus dem Londoner Westen und der FC Millwall aus dem Südosten spielen in der Championship gegeneinander.
In der drittklassigen League One sind in der kommenden Saison mit dem AFC Wimbledon und Leyton Orient nur zwei Londoner Vereine vertreten,. Sie können es aber in Sachen Tradition und Kult durchaus mit den höher spielenden Clubs aufnehmen.
London Derbys – Es gab sie seit 1872 in den FA Cup-Finals, zuletzt im Corona-Jahr 2020 vor leeren Rängen mit FC Arsenal gegen FC Chelsea (2:1), im Europacup mit den „Gunners“ und den „Blues“ 2019 im Europa-League-Finale von Baku, aber auch in der Champions League.
2004 überrumpelte Chelsea den FC Arsenal im CL-Viertelfinale mit 2:1 (Hinspiel: 1:1) in Highbury.
Was ist das größte London Derby?
In der Frage, welches London Derby das größte und damit das brisanteste ist, gehen die Meinungen auseinander.
Das Portal Givemesport.com sah im Dezember 2024 in einem Ranking der 20 schärften Rivalitäten in London das „Dockers Derby“ mit West Ham United gegen Millwall vorn - noch vor Arsenal gegen Tottenham und Chelsea vs. Tottenham.
London Derby Namen: Vom Norden in die Docks
Das North London Derby Arsenal vs. Tottenham zeigt: Die Duelle in der britischen Hauptstadt sind zumeist nach den Himmelsrichtungen benannt, wie etwa auch das North vs. West London Derby mit Arsenal gegen Chelsea oder das South vs. East London Derby mit dem FC Millwall und West Ham United.
Letzteres ist auch als Dockers Derby, als das Duell der zweier Traditionsmannschaften aus den Hafengegenden, ein feststehender Begriff im Londoner Fußball-Jargon.
North London Derby Arsenal gegen Tottenham oder: Verachtung in 6,4 Kilometern Entfernung
Mein persönlicher Favorit bleibt Arsenal gegen Tottenham, das North London Derby. Erstmals 1896 ausgespielt und mit mehr als 200 Aufeinandertreffen, gehört das Duell zwischen Arsenal und Tottenham zu den brisantesten Fußball-Duellen in der englischen Hauptstadt.
Beide Rivalen – inzwischen im Emirates Stadium und im Tottenham Hotspur Stadium in hoch modernen Fußball-Tempeln an gleicher Stelle zu Hause wie zuvor – trennen nur 6,4 Kilometer.
Wechsel zwischen den Fronten wie beim englischen Nationalspieler Sol Campbell 2001 sorgten immer wieder für zusätzliche Brisanz.
„Das furchterregendste Spiel meiner Karriere war das 1:1 bei Sol Campbells Rückkehr an die White Hart Lane“, erzählte Arsenal-Idol Ray Parlour bei Talksport, „ich erinnere mich, dass man allerlei Gegenstände auf uns warf, als wir das Stadion verließen. Die Atmosphäre war komplett vergiftet.“
East London oder Dockers Derby Millwall gegen West Ham: Die Spur der Gewalt
Seit 1899 spielen im Londoner East End zwei gegeneinander, deren Rivalität über Jahre eine Spur der Gewalt nach sich zog: West Ham United und der FC Millwall.
Dass man sich rund um die Isle of Dogs im Londoner Osten so hasst, geht auf einen Generalstreik der Eisenwerker 1926 zurück. Während die aus den Eisenhütten an der Themse kommenden West-Ham-Anhänger sich mit den Streikenden solidarisierten, lehnten die Hafenarbeiter aus Millwall den Arbeitskampf ab – und sorgten für Empörung.
In den politisch bewegten 1970er- und 1980er-Jahren herrschte bei den Derbys zwischen Millwall und West Ham United Alarmstufe Rot, beide Vereine verfügten mit den „Bushwhackers“ und der „Inter City Firm“ über zwei der berüchtigten Hooligan-Gruppierungen („Firms“) des Landes. Allein 1978 wurden 70 gewaltbereite Fans bei einer Massenschlägerei verhaftet.
SUN-Kolumnist und Ex-Nationalspieler Harry Redknapp („Immer Ärger mit Harry“) empfahl einst, dass „Millwall und West Ham nur noch vor leeren Rängen spielen“ sollten.
Auf einem meiner Besuche im Londoner Süden erklärten mir die Gäste in einem Pub übrigens eindringlich, dass eine Stippvisite in Millwall sogar ohne Spieltermin gefährlich sein könnte…
7. Mai 2006: ,,Lasagne-Gate" im London Derby West Ham gegen Tottenham Hotspur (2:1): Anton Ferdinand und ,,The Hammers" bezwangen die magenkranken ,,Spurs" um Jermain Defoe (r.). Foto: Imaog Images / Colorsport
Ein anderer, kalt verachteter London-Rivale der „Hammers“ von West Ham United sind die Tottenham Hotspur.
Diese Fußball-Rivalität nährt sich auch aus der nachbarschaftlichen Nähe der beiden Teams, deren Stadien nach dem Umzug von West Ham ins Londoner Olympiastadion 2016 zwölf Meilen voneinander entfernt liegen, aber vornehmlich aus der erbitterten Feindschaft der Hooligan-Gruppierungen auf beiden Seiten.
Bis heute hält sich eine Londoner Legende. Vor dem letzten Premier-League-Spieltag im Mai 2006, als es für Tottenham im Derby bei West Ham und im Fernduell mit Arsenal, dem Haupt-Rivalen der „Spurs“ (Heimspiel gegen Wigan Athletic) um den Einzug in die Champions League ging, meldeten sich nach dem Abendessen im Canary Wharf Hotel nach dem Genuss von Lasagne und Spaghetti Bolognese mehrere Tottenham-Profis mit Magen-Darm-Problemen ab. West Ham gewann 2:1, Tottenham musste bis 2010 auf die Champions-League-Premiere warten…
Auf dem Rasen demütigten „The Spurs“ die „Hammers“ 1962 im eigenen Stadion Boleyn Ground mit dem Auswärtsrekord-Ergebnis von 6:1. Der spätere englische Weltmeister Jimmy Greaves traf zwei Mal. Zu den Spielern, die zwischen der White Hart Lane und der Green Street die Seiten wechselten, gehörte der gute Jimmy zwar nicht, umgekehrt aber wechselte mit Jermain Defoe (2004, 10,5 Millionen Euro Ablöse), Michael Carrick oder Scott Parker jede Menge West-Ham-Prominenz nach Tottenham.
Dass sich Defoes Transfer am letzten Tag der Wechselfrist vollzog, fand man im East End sicher nicht witzig…
North vs. West London Derby Arsenal gegen Chelsea: Ziemlich beste Feinde
FC Arsenal gegen den FC Chelsea – Mit der Ankunft von „The Special One“, dem portugiesischen Erfolgstrainer José Mourinho, übertrug sich diese Rivalität auch auf die Trainer. Der besonnene Arsene Wenger und der Exzentriker Mourinho, bester Boulevard-Stoff. „Er ist ein Spezialist im Scheitern“, war nur einer von vielen deftigen Mourinho-Sprüchen gegen Wenger.
Aber auch die Spieler können es in diesem Duell: 2007 flogen im Liga-Cup-Finale mit Kolo Touré und Emmanuel Adebayor (Arsenal) sowie Chelseas John Obi Mikel drei Profis vom Platz.
Arsenal hat zwar mehr Meistertitel als Chelsea vorzuweisen, doch „The Blues“ gewannen alle vier Europacup-Wettbewerbe.
Sie sind mit sieben europäischen Titeln (1971 und 1998 / Pokalsieger-Cup, 2012 und 2021 / Champions League, 2013 und 2019 / Europa League, 2025 Conference League) das international erfolgreichste Team aus London.
North West London Derby Chelsea gegen Tottenham: Die Schlacht an der Stamford Bridge
Auch Chelsea gegen Tottenham Hotspur wird als North vs. West London Derby bezeichnet. Seit 1909 spielten diese beiden Hauptstadt-Clubs mehr als 175-mal gegeneinander.
Die Rivalität, die weniger von den Vereinen als von den Fans gepflegt wird, begann mit dem FA Cup-Finale 1967, auch „Cockney Cup Final“ genannt, das Tottenham in Wembley mit 2:1 gewann.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2012 unter den Anhängern des FC Chelsea sah die „Spurs“ als den am meisten genannten Lokalrivalen.
Auf dem Rasen gipfelte die Rivalität, die auch 2004 in dem Kinofilm The Football Factory thematisiert wurde, am 2. Mai 2016 in „The Battle of the Bridge“, dem Premier-League-Duell an der Stamford Bridge mit neun Gelben Karten für Tottenham und einer sechsmonatigen Sperre für Moussa Dembélé von den „Spurs.“
Mit dem 2:2-Remis gegen den Londoner Rivalen verhalf Chelsea dem Außenseiter Leicester City zur Meisterschaft.
SW6 oder West London Derby Fulham gegen Chelsea: Die unfeine englische Art…
Bitterer Abgang im London-Derby: Joao Felix vom FC Chelsea muss am 12. Januar 2023 von Ordnern aus dem Stadion Craven Cottage des FC Fulham begleitet werden. Foto: Imago Images / MB Media Solutions
Und es soll bitte keiner sagen, dass es im noblen Londoner Westen beschaulich zugeht. Wenn der FC Fulham im West London Derby auf den FC Chelsea trifft – die beiden Stadien Craven Cottage und Stamford Bridge trennen nur 1,6 Meilen – vergisst man schon mal die feine Londoner Art.
Wie am 13. Januar 2023. Zum ersten Mal seit 1965 gingen „The Cottagers“ aus Fulham von einem besseren Tabellenplatz aus in dieses Spiel als der FC Chelsea. Die Mannschaft von Trainer Graham Potter trat erstmals mit dem portugiesischen Wunderknaben Joao Felix an, den man für elf Millionen Euro Leihgebühr von Atlético Madrid geholt hatte.
Als Felix nach 58 Minuten die Rote Karte sah, wurde er von den Fulham-Fans gnadenlos ausgebuht und abgekanzelt. Londoner Schimpfwörter ohne gallische Übersetzung.