
Premier League Investoren: Kauf Dir doch einen Fußballclub!
Premier League Offside · 24. Juli 2025 · 8 Min. Lesezeit
Carsten Germann
„Goldgräber-Stimmung“ (Kicker) in Wales – Mit Fußball-Idol Gareth Bale, Kroatiens Ausnahmefußballer Luka Modric und dem Rapper Snoop Dogg sind weitere, namhafte Investoren bei walisischen Clubs eingestiegen oder werden folgen. Inspiriert hat sie scheinbar die Erfolgsstory des AFC Wrexham mit den Investoren Ryan Reynolds und Rob McElhenney.
„Willkommen in Wrexham“ – Diese Sky-Dokumentation für fußballfreie Tage hatten wir in unserer Premier League Offside Kolumne schon vorgestellt.
Sie geht in die vierte Staffel – und der Erfolg gibt den Machern Recht. Wrexham wurde durch die Hollywood-Stars und dem märchenhaften Aufstieg bis in die zweite englische Liga (Championship) zum weltweiten Hit.
„Die Erfolgsstory von Wrexham hat einen Domino-Effekt ausgelöst“, schrieb Wales-Experte Mark Pitman am 21. Juli 2025 im Kicker-Sportmagazin über die neue Investoren-Welle, „die Kraft der Gemeinschaft, der Außenseiter, der gegen alle Erwartungen schier unüberwindbare Hindernisse meistert: Dafür steht Wrexham und das repräsentiert der AFC, das ist Stoff für Hollywood, was Mcelhenney und Reynolds erkannt haben.“
Nicht nur sie. Mit dem Einstieg des Rappers Calvin Broadus jr., genannt Snoop Dogg (Weltkarriere unter bürgerlichem Namen nicht möglich), der mit einem geschätzten Vermögen von 150 Millionen US-Dollar als einer der reichsten Künstler dieses Genres gilt, stieg bei Swansea City ein.
Anteile an Swansea City, das von 2011 bis 2018 durchgehend in der Premier League spielte, erwarb auch der kroatische Ausnahmefußballer Luka Modric, der im Sommer beim AC Milan anheuerte.
Ihr Investment rief in Wales auch den Rekord-Nationalspieler Gareth Bale auf den Plan. Der 111-malige Nationalspieler der „Drachen“, WM-Teilnehmer 2022 in Katar, will Cardiff City übernehmen. Wirtschaftliche Interessen sind ein Aspekt für Bales Einstieg, doch der einstmals teuerste Spieler der Welt wurde 1989 in Cardiff geboren und hat schon allein deshalb einen ganz anderen Bezug zu dem Club als – bei allem Respekt – Reynolds oder Snoop Dogg.
„Modric's Name steuert sportliche Glaubwürdigkeit bei und kann helfen, den Club für Spieler attraktiver zu machen“, glaubt Pitman im Fall Swansea City.
Welche Fußballmannschaft unterstützt Snoop Dogg?
Snoop Dogg, der im Sommer 2007 bei einem Benefiz-Konzert in Hamburg mit Pelzmantel und dunkler Sonnenbrille auch als „Klima-Botschafter“ auftrat, ist für neue Zielgruppen zuständig, die es zu erschließen gilt. So zeigte er sich werbewirksam im neuen Swansea-Trikot.
Seit seinem ersten TV-Auftritt 1994 hielt es Snoop Dogg („Drop it like it’s hot“) mit der Vereinstreue nicht wirklich genau, man sah ihn in Trikots des AC Milan, Ajax, Chelsea, FC Barcelona, Arsenal, Burnley, Norwich City, Liverpool und Manchester United. Das klingt eher nach „Nuthin‘ but a G-Thang“ statt nach echter Fußball-Liebe…
Wie auch immer. Mit seinem Engagement in Wales steht fest: Das Showgeschäft oder – frei nach Jakob „Baby“ Schimmerlos in Kir Royal, „die Leute aus dem so genannten Schaugeschäft“ – hat den britischen Fußball entdeckt.
Ein Highlight dürfte im Zuge des Investoren-Run auf die walisischen Clubs das erstmals seit 2003 wieder stattfindende Derby Swansea gegen Wrexham werden.
Diese beiden namhaften Clubs aus Wales trafen sich zuletzt vor 22 Jahren und in der vierten Liga.
Ereignisreiche Tage für Kroatiens Fußball-Idol Luka Modric im Juli 2025: Erst Club-WM in den USA, Vertragsunterschrift beim AC Milan (Foto) und Einstieg als Investor bei Swansea City. Foto: Imago Images / LaPresse
Warum Wales?
Die Clubs aus dem westlichen Teil Großbritanniens gehören auch nach 1992 und der Gründung der semi-professionellen walisischen Liga zum englischen Liga-System.
Das ewig junge Duell „Wir armen Waliser gegen die reichen Engländer“ war ein nicht unwesentlicher Faktor bei den auf Underdog-Stories spezialisierten US-Investoren.
„Wie Wrexham, so sind auch die anderen walisischen Clubs relativ günstige Übernahmekandidaten“, erklärt Mark Pitman, „zumindest im Vergleich zu der in der Regel hochpreisigen englischen Konkurrenz. Aber sie spielen ebenso wie jene in einem attraktiven Umfeld mit der im besten aller Fälle besten Perspektive: Premier League.“
Wer sind die Besitzer der Premier League Clubs?
Neu im Investoren-Pool der Premier League sind das deutsche Top-Model Claudia Schiffer und ihr Ehemann, der britische Galerist und Regisseur Matthew Vaughn. Sie kauften sich Mitte Juli 2025 beim FC Brentford ein, beim jüngsten der Londoner Vereine in der englischen Eliteliga.
Absolutes Schwergewicht ist der US-amerikanische Milliardär Todd Boehly beim FC Chelsea. Er erwarb den Club von der Stamford Bridge von dem nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in Ungnade gefallenen russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, in dessen Ära „The Blues“ 2021 und 2012 die Champions League gewonnen hatten. Boehly investierte fast zwei Milliarden Euro ins Team - und durfte im Sommer 2025 endlich feiern: Club-Weltmeister in den USA und als Conference-League-Sieger (4:1 gegen Betis Sevilla im Finale von Breslau) erster Verein, der alle vier ausgespielten Europapokal-Wettbewerbe gewinnen konnte.
Fast 300 Millionen Euro gaben die Macher von Meister FC Liverpool im Sommer 2025 für Transfers aus. „The Reds“ gehören mehrheitlich der Fenway Sports Group um John W. Henry und Tom Werner. „Liverpool ist einer der größten Clubs der Welt und wir wollen sicherstellen, dass wir uns auch so benehmen“, sagte Liverpools CEO Billy Hogan zur Transfer-Offensive, u. a. mit den Bundesliga-Stars Florian Wirtz von Bayer Leverkusen (125 Mio. Euro) und Frankfurts Hugo Ekitiké (95 Mio. Euro).
Premier League Investoren Liste
US-amerikanische Investoren und Club-Besitzer haben sich den größten Teil der 20 Vereine in der lukrativsten Liga der Welt geschnappt.
Neben John W. Henry beim FC Liverpool sind das u. a.
Die US-amerikanische Unternehmerfamilie Glazer und der Brite Sir John Ratcliffe (27,7 Prozent Anteile) bei Manchester United.
Der Milliardär Stan Kroenke beim FC Arsenal, der auch bei den Colorado Rapids, Los Angeles Rams (zu den NFL Reisen London mit den Rams), Denver Nuggets oder Colorado Avalanche in fast jeder US-Sports-Liga mitspielt.
Die Unternehmensgruppe von Dan Friedkin als alleiniger Eigentümer des FC Everton.
Alan Pace stieg 2020 für umgerechnet 180 Millionen Euro bei PL-Rückkehrer FC Burnley ein, während William P. Foley beim AFC Bournemouth der Investor ist.
Eine absolute Ausnahme-Erscheinung ist der griechische Schiffs-Tycoon Evangelos Marinakis, der bei Nottingham Forest das Zepter schwingt und Olympiakos Piräus 2024 zum ersten Europacupsieger aus Griechenland machte. Marinakis, „der große Grieche“, führt beide Teams nach Gutsherrenart.
Die einzigen Premier-League-Clubs, die rein in britischer Hand sind, sind Brighton & Hove Albion, wo der Profi-Pokerspieler und Geschäftsmann Tony Bloom 75,8 Prozent der Karten hält, und Tottenham Hotspur mit Daniel Levy und der Familie Lewis.
Der bereits seit 2001 bei den „Spurs“ auf der Kommandobrücke stehende, oft polarisierende Levy gehörte zu den treibenden Kräften beim Bau des Tottenham Hotspur Stadium, dem modernsten Stadion Londons.
Premier League Co Owner: Woher kommen die Investoren?
Doch es gibt auch Premier-League-Clubs, die im Besitz mehrerer Groß-Anteilnehmer sind. Wie Chelsea, wo auch der Schweizer Milliardär Johann Georg („Hans Jörg“) Wyss beteiligt ist.
Die 40 Prozent Anteile des US-amerikanischen Unternehmers John Textor, der auch in Olympique Lyon investiert hat, kosteten Crystal Palace, wo auch David Blitzer und der Brite Steve Parish unter den Eigentümern sind, die Europa-League-Teilnahme. Grund: Multi Club-Ownership (die-fussballreise.de berichtete).
Die US-amerikanische Gruppe 49ers-Enterprises und Red Bull aus Österreich lenken die finanziellen Geschicke von Leeds United.
Silver Lake (18 Prozent) und die seit 2008 im englischen Markt agierende Abu Dhabi United Group führten Manchester City zum Gipfel – mit dem Champions-League-Triumph 202 als Höhepunkt.
West Ham United „teilen“ sich die Geschäftsleute David Sullivan aus Wales, Daniel Kretinsky aus Tschechien und die Engländerin Vanessa Gold.
Wie viel kostet ein Premier League Club?
Die Premier League ist die Liga, die weltweit die höchste Aufmerksamkeit garantiert. Auch für Investoren.
Die Preis-Range reicht laut dem Portal Transfermarkt.uk von 142 Millionen Euro, die Kyril Louis-Dreyfus und Juan Sartori für den AFC Sunderland zahlten, bis zu 1,5 Milliarden Euro. So viel war Todd Boehly der FC Chelsea wert, den er mit 209 Millionen Euro über Markenwert übernahm.
Wer ist der reichste Fußballclubbesitzer der Welt?
Kein anderer Fußballclubbesitzer hat weltweit eine höhere finanzielle Power als der saudi-arabische Public Investment Fund, der 85 Prozent der Anteile an Newcastle United erwarb. Das Vermögen des saudi-arabischen Staatsfonds stellt mit 379,5 Milliarden Euro alle übrigen Investoren in den Schatten – auch die mit 260 Milliarden Euro dotierte Qatar Investment Group, die 2011 bei Paris Saint-Germain einstieg und den französischen Hauptstadtclub auf ein neues Level hob.
Die Katarer, unterstützt von Sir David Beckham, schafften es auch in Paris, die Leute aus dem so genannten Schaugeschäft auf die Tribünen des Prinzenparkstadions zu locken, unter anderem Beyoncé Knowles und Jay-Z.
Gegen den FC Barcelona (Champions League, September 2014) war auch der Rapper Kanye West eingeladen. Doch der hatte ausgerechnet an dem Tag kanye Zeit.
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