Eine Woche nach der WM-Auslosung vom 5. Dezember 2025 sind die Gruppen mit Deutschland und Neulingen wie Curacao immer noch Gesprächsthema. Die-Fussballreise.de über WM-Exoten, die hohes Überraschungspotenzial haben.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hält nichts vom Starkreden der deutschen WM-Gruppe E (wie Ecuador). „Das ist eine Gruppe, die wir natürlich packen müssen“, sagte der Weltmeister von 1990 mit Blick auf die Gruppen-Konstellation mit WM-Neuling Curacao als Auftaktgegner, der Elfenbeinküste und Ecuador in einem Interview mit BILD am SONNTAG (Ausgabe vom 7. Dezember 2025).
Auch von „Glückslosen“ wollte der ehemalige DFB-Teamchef nichts wissen: „Curacao ist für uns ein bisschen die sportliche Wundertüte. Sie sind zum ersten Mal dabei und haben sich überraschend gegen Jamaika qualifiziert. Wir werden da mit allem Respekt reingehen, trotzdem ist klar: Als Deutschland müssen wir dieses Spiel schon gewinnen.“
„Als Deutschland“… gewannen wir seit der erfolgreichen WM 2014 in Brasilien nur zwei von sechs Gruppenspielen. Das aber nur nebenbei.
Ein WM-Neuling fordert Deutschland heraus: Curacao, hier beim CONCACAF Gold Cup im Juni 2025 in den USA, ist erstmals bei einer Weltmeisterschaft dabei. Foto: Imago Images / ZUMA Press Wire
WM: Die größten Überraschungsteams der Historie
Mit WM-Überraschungsteams taten sich aber zuletzt 2022 in Katar ganz andere Top-Teams schwer. Portugal und Spanien scheiterten bei der Wüsten-WM an Marokko, das als erstes afrikanisches Land ins WM-Halbfinale kam, wo sich Frankreich (0:2) als zu stark erwies.
Wie WM-Außenseiter geht, zeigte Kroatien 2018 in Russland. „Die Feurigen“ waren zwar nicht zum ersten Mal dabei – das war 1998, als sie als Neuling im Viertelfinale Deutschland rauswarfen – aber sie kamen mit einem unvergessenen Lauf, von dem noch heute die Poster in den kroatischen Badeorten künden, bis ins Finale von Moskau gegen Frankreich (2:4). Auf dem Weg dahin schalteten sie u. a. Dänemark, Gastgeber Russland (jeweils nach Elfmeterschießen) und im Halbfinale England (2:1 n.V.) aus.
Deutschland war zuletzt 1990 und 2014 Weltmeister. Bei beiden WM-Endrunden wussten so genannte Exoten zu überraschen. Wie Costa Rica, das 2014 im Viertelfinale erst im Elfmeterschießen an den Niederlanden scheiterte. Zuvor hatten sich die Mittelamerikaner in der so genannten „Todesgruppe“ D mit den drei Weltmeistern Italien, England und Uruguay als Sieger durchgesetzt.
Legendär auch die WM 1990 mit den „unbezähmbaren Löwen“ aus Kamerun. Die Mannschaft aus Afrika, die von dem russischen Trainer Waleri Kusmitsch Nepomnjaschtschi betreut wurde, der kein Wort Französisch sprach, schaffte es nach einem legendären 1:0-Sieg im Eröffnungsspiel gegen Weltmeister Argentinien in Mailand bis ins Viertelfinale gegen England (2:3 n. V.).
Wer könnte 2026 in die Rolle des absoluten Favoriten-Schrecks schlüpfen? Zum Beispiel Norwegen! Die Skandinavier mit Tor-Maschine Erling Braut Haaland sind erstmals seit 28 Jahren wieder dabei und haben das Potenzial, nach neun Siegen in neun Quali-Spielen auch die Gruppe I mit Frankreich, einem Playoff-Team und Senegal, aufzumischen.
Senegal war 2002 in Japan und Südkorea das ganz große Überraschungsteam, u. a. mit dem Sieg im Auftaktspiel gegen Titelverteidiger Frankreich (1:0).
Wer ist zum ersten Mal bei der WM dabei?
Curacao gehört – bei 42 feststehenden Teilnehmern – zu dem Quartett der WM-Neulinge um Kap Verde, Jordanien sowie Usbekistan. Der Inselstaat aus der Karibik löste bei einer Einwohnerzahl von 156.000 Island (WM 2018) als kleinstes Teilnehmerland aller Zeiten ab.
Debütanten WM 2026: Curacao
Ein 0:0 im direkten Duell im letzten und entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Jamaika in Kingston brachte Curacao das WM-Ticket. Der 78-jährige Niederländer Dick Advocaat wird, so er das Team während der Endrunde betreut, ältester WM-Trainer aller Zeiten.
„Wir fahren zur WM und bekommen bald Fotos im Panini-Album“, freute sich Curacaos Livano Comencencia vom FC Zürich.
Deutschland trifft in Houston im US-Bundesstaat Texas am 14. Juni 2026 auf Curacao.
Debütanten WM 2026: Kap Verde
Die Qualifikation von Inselstaat Kap Verde war natürlich ein Streich. Aber Kap Verde verfügt über eine Mannschaft mit Überraschungsfaktor. Erst seit 1990 in der WM-Quali in Afrika vertreten, setzten die Nationaltrainer traditionell auf Spieler, die aus Kap Verde ins Ausland emigriert waren. Einer von ihnen ist Dailon Livramento, der in Rotterdam geboren wurde und das Land am 9. September 2025 zum historischen 1:0-Sieg gegen Kamerun führte. „Tatsächlich sind in der Mannschaft deutlich mehr ältere als jüngere Spieler, die meisten kennen sich seit vielen Jahren und bilden eine eingespielte Einheit“, schrieb Mark Gleeson nach der perfekten WM-Qualifikation im Kicker.
Kap Verde hat in Gruppe H mit Uruguay und Spanien gleich zwei Weltmeister gezogen – und wird am 15. Juni 2026 in Atlanta (Georgia) sein historisch-erstes WM-Spiel gegen den Europameister aus Spanien bestreiten.
Debütanten WM 2026: Jordanien
Neu dabei sind auch die „Nashama“, die Tapferen, wie das Team aus Jordanien genannt wird. Die Mannschaft aus Asien steht 40 Jahre nach ihrer ersten Teilnahme an einer WM-Qualifikation in der Endrunde. Und was wäre ein solches Märchen ohne einen Spieler, der in Deutschland unter dem Radar flog? Ahmad Assaf, geboren in München, wurde als Rechtsverteidiger in der Quali zwei Mal eingesetzt.
Jordanien trifft am 16. Juni 2026 in San Francisco auf einen WM-Rückkehrer: Österreich. Das ÖFB-Team ist – wie Schottland und Norwegen – erstmals seit 1998 wieder dabei.
Debütanten WM 2026: Usbekistan
Einen, der weiß, wie es sich als Weltmeister anfühlt, verpflichtete Neuling Usbekistan nach der perfekten Qualifikation: Der italienische Coach Fabio Cannavaro wird die „weißen Wölfe“ als Nationaltrainer in die erste WM der Verbandsgeschichte führen.
Reise-Weltmeister sind die Usbeken schon jetzt: Sie lösten ihr WM-Ticket 4.500 Kilometer von der Heimat entfernt, mit einem 0:0 in Abu Dhabi gegen die Vereinigten Arabischen Emirate.
Wie Neuling Jordanien gegen Argentinien und Lionel Messi, so trifft auch Usbekistan in der Gruppenphase in Gruppe K auf einen Spieler, der von den Fans als GOAT (Greatest of all Time) verehrt wird: Portugals Fußball-Idol Cristiano Ronaldo – und zwar am 23. Juni 2026 in Houston
Der erste WM-Gegner der Asiaten wird allerdings noch ermittelt: Neukaledonien, Jamaika oder die Demokratische Republik Kongo spielen im FIFA-1-Playoff. Das wird in jedem Fall exotisch…