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Nur 115 Sekunden: Manchester City vs. Manchester United 1:2

Match der Woche · 16. Dezember 2024 · 5 Min. Lesezeit

Manchester Derby
Manchester City
Manchester United
CG

Carsten Germann

Veröffentlicht am

Ein Derby unter denkbar ungünstigen Vorzeichen, dennoch war Manchester City gegen Manchester United (1:2) am 15. Dezember 2024 in der englischen Premier League unser „Match der Woche“. Nicht nur wegen dem nach wie vor hohen Star-Aufgebot. Diese Rivalität und die Tatsache, dass im Manchester-Derby immer alles möglich ist, machen eine Fußballreise Manchester zu etwas Besonderem. Auch für uns. 

„Es gibt keine Kritik an Pep Guardiola“, so England-Experte Raphael Honigstein vor dem Spiel bei Sky Deutschland über die Lage im Etihad Stadium, „das Einzige, was er vielleicht unterschätzt hat, war die Tiefe seines Kaders, da hätte es Auffrischung gebraucht im Sommer. Gerade im zentralen Mittelfeld hat Manchester City Riesen-Problemen.“

Stimmt. Und es gab noch mehr Fakten, die unangenehm waren. Manchester City hatte vor dem Anstoß gegen den Stadtrivalen aus Old Trafford sieben der letzten 11 Pflichtspiele verloren, in der Premier League gab es zuletzt am 4. Dezember 2024 einen 3:0-Heimerfolg gegen den High Flyer von Nottingham Forest

Manchester City Manchester United 1-2

15. Dezember 2024: Manchester United bejubelt den 2:1-Siegtreffer bei Manchester City im Etihad Stadium überschwänglich. Foto: Imago / News Images

Manchester City gegen Manchester United als Krisenduell

Die Wiener Kronen-Zeitung sah in ihrer Ausgabe vom 15. Dezember 2024 vorab „ein Krisenduell“: „Fußball-Manchester auf tiefstem Stand seit 2002.“ 

Stimmt. Denn noch nie hatten die beiden Premier-League-Giganten aus Manchester zusammen so wenige Punkte eingespielt.

Der amtierende englische Meister von Manchester City kam vor dem Spiel auf 27 Zähler, das ist der schlechteste Wert seit 14 Jahren. 

United lag gar nur bei 19 Punkten, das ist gar historischer Negativ-Rekord seit der Einführung der Premier League zur Saison 1992/93. 

Zusammen waren das 46 Punkte und es war klar: Nur mit einem Sieg würde einer der beiden Manchester-Rivalen zumindest für den Moment eine Atempause im Kreuzfeuer der Kritik erhalten.

„Glasner lieferte das Rezept gegen City“, wollte die Krone zudem erkannt haben, denn der frühere Bundesliga-Coach von Eintracht Frankfurt und vom VfL Wolfsburg, der mit Crystal Palace am 7. Dezember ein 2:2 gegen City erzwang, schien die „Sky Blues“ tatsächlich taktisch entschlüsselt zu haben. „Wenn man wie Manchester City mit einem Sechser spielt“; so der Österreicher Oliver Glasner, „dann ist links und rechts dieses Spielers viel Platz.“

Ob sich Ruben Amorim, der neue Trainer von Manchester United, diesen Rat zu Herzen genommen hat, wissen wir nicht.

Der Portugiese, siebter Cheftrainer seit 2013 in Old Trafford (die-fussballreise.de berichtete), hatte bis dahin mit den „Red Devils“ noch gar kein Auswärtsspiel in der Premier League gewonnen und er hatte mit Alejandro Garnacho und Marcus Rashford gleich zwei namhafte Stürmer aus dem Aufgebot gestrichen. Amorim dazu bei Sky Sports UK: „Wir haben die Trainingsleistung erörtert und dann haben wir die Spieler ausgesucht und das war einfach meine Auswahl.“

Frei nach Jürgen Klopp: „My Decision“, meine Entscheidung.

Rein ins Spiel! Es dauerte bis zur 36. Minute, ehe im Etihad Stadium richtig Derby-Stimmung war. Trotz des immer noch hohen Star-Aufgebots auf beiden Seiten, Erling Braut Haaland lieferte sich bei Eckbällen so manches Gerangel mit Uniteds Stürmer Rasmus Höjlund, konnten die Teams die Anspannung und die vielen negativen Nebengeräusche zu selten ausblenden. Sie erstarrten zu oft in taktischen Zwängen.

Das 1:0 gelang dann auch folgerichtig einem Abwehrspieler: Der Ex-Leipziger Josko Gvardiol köpfte für Manchester City ein (36.). Danach gab es eine Rudelbildung in der Nähe des City-Strafraums, ausgelöst von Höjlund und Citys Abwehrchef Kyle Walker. 

Unfassbar: Manchester United dreht es doch noch um

Oasis-Frontmann und City-Edelfan Noel Gallagher war zeitig zum Wiederanpfiff zurück, doch er und die übrigen Zuschauer im Etihad Stadium sahen weiterhin erstarrte Manchester-Fronten.

Das änderte sich erst in der 87. Minute, als Amad Diallo für United einen Foul-Elfmeter herausholte und Bruno Fernandes, der Kapitän der Mannschaft aus Old Trafford, ließ sich nicht zwei Mal bitten und verwandelte zum 1:1 (88.). 

Damit nicht genug: Amad (90.) drehte gegen den zu schnellen aus dem Tor eilenden City-Keeper Ederson die Partie komplett auf links – 1:2. Der rote Teil von Manchester tanzte auf den Rängen und Pep Guardiola versank in seinem Trainersessel. 

Zwischen beiden Treffern lagen 1:55 Minuten. 

Es wurde der erste Auswärtssieg für United bei Manchester City seit dem 7. März 2021 (2:0). 

„Das passiert nicht Pep Guardiola, das passiert Manchester City“, fand United-Idol Gary Neville bei Sky Sports UK, „diese Fans haben Derartiges über viele Jahre nicht gesehen.“ 

Neun Punkte Rückstand hat das City-Starensemble nun auf Tabellenführer FC Liverpool (nur 2:2 gegen den FC Fulham), bei einem ausstehenden Nachholspiel für den LFC im Merseyside-Derby beim FC Everton, müsste man (fast) davon ausgehen, dass es mit der Titelverteidigung nicht mehr wird… 

Das muss aber wie immer nichts heißen. „Ich denke, Liverpool wird die Premier League gewinnen“, sagte Liverpool-Idol Ian Rush in einem Kicker-Interview, „aber Manchester City kommt traditionell im Januar immer stärker zurück.“ 

Das ist immer noch möglich, so wie im Manchester-Derby immer noch alles möglich ist. 

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