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Verstorbene Fußballer 2025: Droht Liverpool ein Jota-Trauma?

Premier League Offside · 11. Juli 2025 · 7 Min. Lesezeit

FC Liverpool
Diogo Jota Tod
Hillsborough
CG

Carsten Germann

11. Juli 2025

Der Tod von Diogo Jota erschüttert in diesem Sommer die Fußball-Welt. Der Halbstürmer des FC Liverpool verunglückte gemeinsam mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder André Silva am 3. Juli 2025 in Spanien tödlich mit dem Auto. Seitdem ist in Anfield nichts mehr, wie es war. Liverpool steht zusammen, die globale Fußball-Familie hält zusammen. „You‘ ll never walk alone“ – Eben weit mehr als eine bierselige Phrase. Doch wie wird der FC Liverpool nach dem Tod von Diogo Jota in die neue Saison gehen?

„He‘ ll never walk alone – Die Stimmung wird traurig sein, betrübt, ja düster sein, wenn die Profis des FC Liverpool an diesem Montag und Dienstag aus dem Urlaub zurückkehren“, schrieb der legendäre England-Korrespondent Keir Radnedge, den ich seit vielen Jahren kenne, am 7. Juli 2025 im Kicker-Sportmagazin, „der tödliche Unfall ihres Mitspielers Diogo Jota und dessen Bruder André Silva vom vergangenen Sonntag lässt die Zeit in Anfield stillstehen und sorgt überall für große Bestürzung.“

Auch bei dem Mann, der Jota 2020 nach Liverpool holte, Jürgen Klopp. „Es muss einen tieferen Sinn geben“, sagte Klopp nach Jotas Tod, „aber ich sehe ihn nicht.“ 

Das erste Spiel nach dem Tod von Diogo Jota wird für den FC Liverpool ganz im Zeichen des Gedenkens an den portugiesischen Nationalspieler stehen.

Wenn sich der Liverpool Football Club am 13. Juli 2025 im Stadion Deepdale von Preston North End nach einer der traurigsten Sommerpause in der Vereinsgeschichte zurückmeldet, wird zu Ehren von Jota „You‘ ll never walk alone“ erklingen. 

Die Fußball-Anhänger von Preston North End (PNE) und vom FC Liverpool legen gemeinsam Kränze für Diogo Jota nieder. Preston North End wird zudem eine Sonderausgabe seines Stadionmagazins herausgeben, das Spiel wird kostenfrei über YouTube und Social-Media-Kanäle übertragen. 

Es sind Momente, die bleiben werden. Ebenso wie die Bilder mit den vielen Trikots, Kerzen, Blumen vor dem Stadion von Anfield und vor dem Molineux von Wolverhampton, wo Jota bis zu seinem Wechsel zum FC Liverpool (2020) gespielt hatte. 

Liverpool Trauer Henderson Diogo Jota Tod

Anfield hält den Atem an: Liverpool-Legende Jordan Henderson trauert am 4. Juli 2025 um Diogo Jota. Foto: Imago Images / Sportimage

Emotional war für mich auch der völlig aufgelöste Ex-Kapitän des FC Liverpool, Jordan „Hendo“ Henderson, beim Gedenken für seinen ehemaligen Mitspieler in Anfield.

Wenn England trauert… Der Unfalltod von Diogo Jota bewegte auch die aus Manchester stammende Britpop-Band Oasis. Die von den Brüdern Liam und Noel Gallagher einst ins Leben gerufene Gruppe pfiff auf sämtliche Manchester-Liverpool-Rivalitäten und zeigte bei ihrem Wiedervereinigungskonzert im Principality Stadium von Cardiff vor 75.000 Fans am 5. Juli 2025 während der Intonation des Songs „Live forever“ ein Foto von Diogo Jota auf der Großbildleinwand. „Das war absolutes Fair Play von Oasis“, sagte ein Konzertbesucher der BBC.

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Fair Play – das galt im Fall Diogo Jota auch für den FC Liverpool. Der Verein entschied nach dem Tod von Jota, dessen Trikotnummer 20 nie wieder zu vergeben. Ein symbolischer Akt der Wertschätzung für den verstorbenen englischen Meister von 2025, der noch Anfang Juni in München mit der Nationalmannschaft von Portugal den Titel in der UEFA Nations League bejubeln durfte.

Am 22. Juni 2025 hatte Diogo Jota seine Jugendfreundin Rute Cardoso geheiratet. Der FC Liverpool wird der Witwe, die Jota nebst drei kleinen Kindern hinterlässt, bis zu seinem Vertragsende im Juni 2027 sein Wochengehalt von umgerechnet 170.000 Euro weiter zahlen. Das ist groß. 

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Liverpools 125 Millionen Euro teurer Neuzugang Florian Wirtz spielte noch nicht für seinen neuen Club. 

Doch der junge Deutsche erfuhr an der Anfield Road, was es bedeutet, wenn „The Reds“ um einen der ihren trauern und legte sichtlich bewegt eine rote Rose für den verstorbenen Diogo Jota nieder. Die gesamte Mannschaft war zum Totengedenken nach Anfield gekommen und sie reiste natürlich auch zur Beisetzung von Diogo Jota und André Silva am 5. Juli 2025 in Gondomar bei Porto (Portugal). Kapitän Virgil van Dijk und Andy Robertson trugen Blumengebinde, die die Trikotnummern von Jota und André Silva (spielte bei Penafiel) zeigten, die 20 und die 30. 

Auch der portugiesische Nationaltrainer Roberto Martinez, die ehemaligen Liverpool-Profis Henderson, James „Milo“ Milner und Abel Xavier sowie der frühere Premier-League-Coach Andre Villas-Boas nahmen an der Trauerfeier teil.

Warum brauchte Diogo Jota eine Lungen-Operation?

Wie nahm das Drama seinen Lauf? Diogo Jota war mit seinem Bruder mit dem Auto nach England unterwegs, da ihm die Ärzte nach einer Lungen-Operation (Pneumothorax) mit einem teilweise kollabierten Lungenflügel von einem Flug nach Großbritannien abgeraten hatte. Fünf Stunden vor der Abreise wurde Jota noch von einem Physiotherapeuten namens Miguel Goncalves behandelt.

„Ich habe letzten Samstag angefangen, mit ihm zu arbeiten, und war bis diesen Mittwoch jeden Tag bei ihm“, so Goncalves gegenüber der portugiesischen Sportzeitung Record.

Wie schnell fuhr Diogo Jota, als er verunglückte?

Jota und sein Bruder starben nahe des spanischen Ortes Palacios de Sanabria in der Provinz Zamora. Sie fuhren offenbar mit überhöhter Geschwindigkeit. 

Der Liverpool-Profi saß selbst am Steuer, als sein Wagen mit 120 km/h von der Straße abkam und nach einem Reifenplatzer Feuer fing. Jota und Andre Silva hatten keine Überlebenschance. 

Den Erkenntnissen der spanischen Polizei widersprachen später Augenzeugen. 

In welchem Auto starb Diogo Jota?

Die Brüder Diogo Jota und André Silva waren mit einem Lamborghini Hurracán nach England unterwegs.

Der Wagen soll sich nahe der Stadt Cernadilla auch überschlagen haben und dann in Flammen aufgegangen sein.

Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich. Seit ich mit dem FC Liverpool verbunden bin (1981), seit ich seit 2002 über die Reds schreibe, überfallen mich bei jeder Sternstunde, bei jedem Titelgewinn auch die emotionalen Gedanken an die vielen Opfer, die das Fußball-Schicksal diesem Verein nahm.

Welche Tragödien erlebte der FC Liverpool?

Wie in Brüssel, als im Heysel-Stadion bei einem Block-Sturm vor dem Landesmeister-Finale Juventus Turin gegen FC Liverpool (1:0) am 29. Mai 1985 von Liverpooler Fans eine Massenpanik ausgelöst wurde und insgesamt 39 Menschen zu Tode kamen.

Die englischen Clubs wurden daraufhin für fünf Jahre von der UEFA aus den Europacup-Wettbewerben verbannt. 

Am 15. April 1989 verlor der FC Liverpool, wie sich später herausstellen sollte, 97 Anhänger, nachdem viel zu viele Zuschauer ins Stadion Hillsborough vor dem FA Cup-Halbfinale gegen Nottingham Forest in Sheffield gedrängt waren. 

Seit 2009 habe ich immer wieder mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer dieser Stadion-Katastrophe Interviews geführt, an die Tragödie erinnert, versucht, das Unfassbare greifbar zu machen. Mit bleibenden Eindrücken. 

Wenn ich manchmal die eigens nach dem Stadion-Unglück neu aufgenommene Version von „Ferry Cross the Mersey“ von Gerry & the Pacemakers mit Weltstars aus Liverpool wie Sir Paul McCartney und Holly Johnson höre, überkommen mich die gleichen Emotionen wie damals. 

Liverpool ging 1989 gestärkt aus dieser unglaublichen und lange juristisch nicht aufgearbeiteten Tragödie hervor – „The Reds“ zeigten vier Wochen nach dem Unglück im FA Cup-Finale eine bemerkenswerte Nervenstärke, agierten hoch professionell und gewannen gegen den Stadt- und Erzrivalen FC Everton in der Verlängerung durch ein Tor von Rekord-Schütze Ian Rush mit 3:2.

Tod von Diogo Jota: „Es wird noch lange weh tun“

„Tragödien haben den Club zusammengeschweißt und daraus wurde der Club stark“, sagte Ex-Liverpool-Spieler Dietmar Hamann der SPORT BILD (Ausgabe 28 / 2025), „im Nordwesten Englands ist es so, wer einmal in den Herzen der Leute angekommen ist, der ist auf ewig einer von ihnen. Das wird auch bei Jota so sein.“

Das glaube ich auch, lieber Didi. 

Und ich sehe es ähnlich wie der nun für Brentford spielende Liverpool-Torhüter Caoimhin Kelleher: „Es wird noch lange wehtun.“

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